Weiterleben von Patrick Charnley

Weiterleben von Patrick Charnley

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Weiterleben von Patrick Charnley erschienen im Dumont Verlag

Meine Meinung

Das Cover würde ich mir als Bild genau so in mein Lesezimmer hängen. Zu sehen ist eine gemalte Landschaft am Meer. Zwischen zwei Kurven einer schmalen Straße liegt auf der rechten Seite ein weißes Häuschen mit rotem Dach. Folgt man der Straße, wird der Blick auf die Steilküste und das Meer frei. Klappt man das Buch auf, bilden Rückseite und Cover ein zusammenhängendes, schönes Ölgemälde.

Weiterleben von Patrick Charnley erschien im Dumont Buchverlag. Aufmerksam wurde ich auf das Buch bei der Programmvorschau auf der Leipziger Buchmesse. Im Sommer trudelte die Hardcover-Ausgabe bei mir ein und schenkte mir ein paar schöne Lesestunden. Dabei habe ich das Buch wechselweise gehört oder gelesen. Das Hörbuch wurde übrigens von Aram Tafreshian eingelesen. Die Geschichte spielt in Cornwall und handelt von Jago Trevarno, der in einfachen Verhältnissen bei seinem Onkel direkt an der Küste lebt und sich dort von seinem Beinahe-Tod und den Folgen erholt.

Jago ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Zu Beginn glaubte ich, er sei ein Mann in mittleren Jahren und Onkel Jacob müsse damit ein alter Mann sein. Doch meine Vorstellung wurde sehr bald relativiert, denn Jago ist gerade mal 20 Jahre jung, und damit wird sein Erlebnis und die damit verbundene Erschöpfung viel ergreifender. Neugierig habe ich verfolgt, wie er die Tücken seines nicht mehr ganz funktionierenden Kurzzeitgedächtnisses meistert. Aber lies am besten selbst. Mit dabei ist durch den Schurken Bill Sligo aus der Nachbarschaft auch noch ein gewisses Maß an Spannung.

Ich war sehr schnell mitten in der Geschichte und habe Jagos Erzählung gespannt verfolgt. Ich darf ihm im Alltag auf dem Hof seines Onkels über die Schulter schauen. Dabei muss ich gar nicht so viel schauen, sondern darf einfach zuhören, denn er beschreibt sein Vorgehen und seine Umgebung detailliert. So sehe ich ihn förmlich vor mir, wie er gerade wieder Holz auf den Ofen legt, um für Wärme, aber auch für die Zubereitung des Frühstücks zu sorgen.

Mit den Beschreibungen bekam ich ein gutes Gefühl für die Umgebung und konnte mir das Haus gut vorstellen. Schmunzeln musste ich bei der Abwesenheit von elektrischem Strom im Haus und dem Kompromiss, einzig im Schuppen eine Steckdose für die Kühltruhe zu betreiben. In Gedanken war ich so immer wieder beim Haus eines Nachbarn meiner Kindheit. Dort gab es zwar Strom und auch Wasser im Haus, allerdings kein wirkliches Badezimmer in dem Sinne, sondern noch ein Häuschen mit Herz in der Tür auf dem Hof.

Vor dem Beginn der eigentlichen Geschichte erfährst du durch eine kurze Anmerkung des Autors etwas zu seinen Beweggründen. Patrick Charnley hat selbst die Erfahrung gemacht, die er seinem Protagonisten mit der chronischen Erschöpfung andichtet. So wirken die Gedanken und Handlungen sehr authentisch, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Kraft es den Autor gekostet haben muss, dieses Buch zu schreiben, da er sich vermutlich immer wieder in die Geschichte einlesen musste.

Ich finde es spannend, wenn solche einschneidenden Erlebnisse in einen Roman eingebaut und verarbeitet werden. Bei mir sorgen sie dafür, dass ich mich der Geschichte noch näher fühle als sonst. Daher lese ich immer wieder gerne Geschichten mit autobiographischen Bezügen, auch wenn wir hier eine rein fiktive Geschichte vor uns haben, die ich bis zum Schluss einfach nur verschlungen habe.

Hast du dem Tod schon mal ins Auge geblickt? Magst du Geschichten mit sehr authentischen Figuren, die sich durch Krankheit ein neues Leben aufbauen müssen? Dann habe ich hier einen ganz besonderen Roman für dich. In „Weiterleben“ von Patrick Charnley darfst du den Protagonisten bei seinen täglichen Herausforderungen begleiten. Diese fangen schon mit dem Aufstehen und der Essenszubereitung an und ziehen sich mit immer wiederkehrender Erschöpfung durch den Tag. Es ist eine Geschichte, die dich lehrt, wie glücklich du dich schätzen kannst, dass dein Kurzzeitgedächtnis Informationen aufnehmen und speichern kann und du nicht jedes Detail aufschreiben musst, damit du dich auch morgen noch daran erinnern kannst. Ich habe die Geschichte einfach nur verschlungen und empfehle sie sehr gerne weiter.

Inhaltsangabe

Jago Trevarno war vierzig Minuten lang klinisch tot. Nun ist sein Leben ein anderes. Sein Kopf funktioniert nicht mehr so wie vorher, er ist schnell überfordert, wenn zu viele Dinge gleichzeitig passieren, lebt maximal im Augenblick, weil es nicht anders geht. Auf dem Hof seines Onkels Jacob an der Küste in Cornwall versucht er, die Teile seines Lebens wieder zusammenzusetzen. Hier gibt es keinen Strom, sondern Öllampen, die Butter wird im Fass gestoßen, auf dem Ofen steht eine große Kupferwanne. In dieser Umgebung findet Jago langsam zur Ruhe. Seine Tage sind bestimmt vom Rhythmus der Natur und der Arbeit. Er melkt die Kühe, repariert Zäune, reitet zum Meer aus und hilft sogar dabei, ein Fohlen zur Welt zu bringen. Alles könnte gut sein, zumindest für den Moment, wenn da nicht der Schurke Bill Sligo wäre, der Jago und seinem Onkel Jacob Ärger macht. Jago muss ihn stoppen, um zu bewahren, was er hat: einen Ort, an dem er weiterleben kann. Patrick Charnleys Roman erzählt anrührend und dabei unsentimental von einem Neuanfang im eigenen Tempo. Der Autor teilt das Schicksal seines Protagonisten – dieses Buch hat er dem Leben abgetrotzt.

Bibliografie

Weiterleben von Patrick Charnley erschienen im Dumont Verlag

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Autor: Patrick Charnley
Genre: Belletristik
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800507
Erscheinungsdatum: 11. August 2026
Format: gebundenes Buch, Hörbuch und Ebook u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 288
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange erschienen im Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover zeigt einen schmalen Pfad durch eine hügelige, wenig bewachsene Landschaft. Hier und da sind Felsen zu sehen und auch ein alter, ungleicher Zaun steht am Wegesrand. Damit ist es ein ganz passendes Bild zur Geschichte.

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange wurde im Dumont Buchverlag veröffentlicht. Die Geschichte spielt quasi nur fünf Tage auf einer Wanderung in den schottischen Highlands. Liliane erzählt aus der dritten Person und wacht so förmlich über das Geschehen.

In diesen fünf Tagen erfahre ich als Leser so viel mehr, als nur das aktuelle Geschehen. Es geht um Lilianes Kindheit und ihre Beziehung zu Sohn und Ex-Mann. Aber noch viel mehr dreht sich alles um ihren 89-jährigen Vater, der auf den Pfaden seiner Jugend ein letztes Mal wandern möchte. Auf diesem Weg kann Liliane das erste Mal ehrlich mit ihrem Vater sprechen. Einzig der Tod der Mutter wird umschifft.

Die Geschichte zeigt sehr schön, dass es im Prinzip nicht viel braucht, um einen inneren Frieden zu bekommen. Sie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, zu reden und seine Emotionen zu zeigen. Mit dabei sind sehr detaillierte Beschreibungen, die dafür sorgen, dass man in Gedanken mit Liliane und ihrem Vater den Weg absolviert.

„Bevor jemand etwas sagen konnte, eilte Liliane über den fadenscheinigen Läufer, durch das angerenzende Kaminzimmer, vorbei an vollgestopften Bücherregalen und Ölgemälden von struppigen Hochlandrindern. Fast stolperte sie im Flur über die aufgereihten matschigen Gummistiefel, die Treppe hinauf.“

Man spürt die Kälte und Feuchte und freut sich, wenn Klaus bei Ankunft einer Hütte erstmal das Feuer entfacht.

„Ich meine …“ Er blieb schon wieder stehen, suchte Halt mit den Füßen und leuchtete mit der Lampe auf seine Schuhe. „… als Frau braucht man doch einen Mann an seiner Seite, der ein klares Ziel vor Augen hat. Der nicht jede emotionale Bewegung mitmacht, die eigentlich bedeutungslos ist.“

Bist du schon mal mit leichten Sommerschuhen durch Matsch gewatet? Kennst du das Gefühl, wenn du unbedingt noch etwas klären musst, weil es dir sonst nachts keine Ruhe lässt? Dann hast du ein gutes Gespür für die Protagonisten in „Alte Pfade“ von Alexa Hennig von Lange. Damit kannst du ihre Ausstattung und ihre Beweggründe sehr gut nachvollziehen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

Inhaltsangabe

Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch. 
Ein atmosphärisch dichter und einfühlsamer Roman über die Neubegegnung zweier Menschen, die sich lange fern waren.

Bibliografie

Cover vom Roman: Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange erschienen im Dumont Buchverlag

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Autor: Alexa Hennig von Lange
Genre: Belletristik
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800651
Erscheinungsdatum: 15. September 2026
Format: gebundenes Buch, Ebook und Hörbuch u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 240
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Mord ohne Vorwort von Freya Sampson

Mord ohne Vorwort – Ein Buchclub ermittelt von Freya Sampson

Beitragsbild mit Lesetagebuch Cover zum Kriminalroman: Mord ohne Vorwort von Freya Sampson erschienen im Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover zeigt ein Bild an der Küste. Der Blick geht von einer Anhöhe aus über einen Häuserkomplex mit kleinem Turm auf dem Dach hinaus aufs Wasser. In der Bucht, eingeschlossen von Steilküsten, liegen zahlreiche Segelboote. Auf dem Wasser kann man zwischen den Booten die Reflexion der Sonne erkennen. Als kleine Tupfen vervollkommnen zwei Möwen das Bild, die scheinbar über dem Garten des Hauses kreisen. Für mich einfach ein schönes Cover, das neugierig macht auf die Geschichte dahinter.

„Mord ohne Vorwort – Ein Buchclub ermittelt“ von Freya Sampson erschien im DuMont Buchverlag. Die Geschichte spielt in einem kleinen Küstenort in England mit einem Buchclub, dessen Teilnehmer nicht unterschiedlicher sein könnten. Nova, Phyllis, Arthur und Ash haben ihre ganz eigene Vorstellung von guten Geschichten und sehr verschiedenen Lesevorlieben. Doch kaum passiert etwas in dem verschlafenen Ort, bündeln sie ihre Energie. Was dabei zutage kommt, ist einfach schön zu lesen, und so habe ich das Buch in wenigen Tagen verschlungen.

Die Geschichte startet mit der Ermittlung im Prolog, und so hat man als Leser schon eine gute Vorstellung, worauf es hinausgeht. Doch zunächst braucht man etwas Hintergrundwissen. Und so startet das erste Kapitel neun Tage vor dem Prolog. Ich mag diese Teaser in Krimis, wenn man als Leser schon ein wenig Futter an die Hand bekommt und das Gefühl hat, mehr zu wissen als die handelnden Personen, dann aber doch mit ihnen zusammen den Fall lösen muss, weil man sonst nicht an weitere Informationen heran kommt. Dabei haben wir hier keinen klassischen Kriminalroman, sondern eher eine urige Dorfgeschichte mit der ganzen Bandbreite an Figuren, die es unter der lesebegeisterten Gemeinschaft geben kann. In den wunderbar gestalteten Klappen vom Taschenbuch findest du eine kurze Vorstellung der vier Buchclub-Mitglieder. Mir sind dabei direkt Arthur und Ash ans Herz gewachsen, die sich im Laufe der Geschichte noch viel tiefer eingegraben haben und mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Ich möchte hier gar nicht zu viel vom Inhalt verraten, eine Idee bekommst du über den Klappentext und im Einband des Buches. Damit steht ein wunderbares Setting, was mich direkt zum Schmunzeln brachte. Dieses hielt sich beim Lesen konsequent, denn dich erwartet auch eine gute Portion Humor und Anspielungen auf gute alte Agatha-Christie-Romane. Zum Verständnis der Geschichte musst du die Romane oder Verfilmungen nicht kennen, es macht das Lesen nur amüsanter, wenn man die ein oder andere Person aus den Geschichten schon mal gehört hat. Ich persönlich habe vielleicht ein Buch von Agatha Christie gelesen, dafür aber den ein oder anderen Film gesehen, und so waren mir die Anspielungen vertraut. Aber wie gesagt, es sind Schmunzelmomente am Rand, und du kannst auch ohne sie der Ermittlung des Buchclubs folgen.

„In Krimis gibt es für gewöhnlich fünf Hauptmotive, jemanden umzubringen: Eifersucht, Rache, Wut, Angst und das häufigste: Habgier.“

Mit dieser Zusammenfassung startet der Buchclub in seine Überlegungen. Und wenn du schon den ein oder anderen Krimi gelesen hast, stimmst du dieser Erkenntnis zu. Eine weitere möchte ich dir nicht vorenthalten, weil sie mich zum Lachen gebracht hat. Und so muss ich dir Phyllis‘ Aussage, die an Nova gerichtet ist, einfach auch mit auf den Weg geben.

„Hast du noch nie einen Krimi gelesen? Ohne die Hilfe einen Hobbydetektivs schafft es die britische Polizei nie, ein verbrechen zu lösen.“

Tja, da musste ich unweigerlich an Miss Marple denken. Was mich zum nächsten Punkt in der Literatur bringt, um den man irgendwie auch nicht drum herum kommt. Hier ist es „Viel Lärm um nichts“ von Shakespeare, was der junge Ash in der Schule lesen muss und so gar keinen Zugang dazu bekommt. Aber was wäre ein Buchclub ohne die ältere belesene Generation. Im Folgenden zeigt Arthur, der weit jenseits des Rentenalters ist, dass er durchaus weiß, was im aktuellen Lesejargon so zu finden ist.

„Schau, es mag vielleicht komisch geschrieben sein, aber im Grunde ist es auch nichts anderes als eine typische Enemie-to-Lovers Liebeskomödie.“

An dieser Stelle habe ich einfach nur laut gelacht, weil ich mir die Szene bildlich vorstellen konnte, wie ein 80-jähriger versucht, einem Jugendlichen mit aktueller Buchsprache einen Klassiker näher zubringen. Hier haben sich Arthur und Ash einfach noch tiefer in mein Herz gebohrt. Die Dynamik zwischen den ungleichen Generationen ist einfach zu schön und wird noch besser. Aber, wie schon erwähnt, das musst du selbst lesen.

Um mich jetzt nicht in Spoiler zu verlieren, fasse ich dir kurz mein Leseerlebnis zusammen. Das Setting hat mich direkt gefangen genommen. Zum einen, weil ich ein bibliophiler Mensch bin, und zum anderen, weil ich kleine Dorfgeschichten einfach liebe. Von der ersten Seite an war ich gefangen und habe bis zum großen Showdown mitgerätselt. Ich habe beim Lesen viel geschmunzelt und auch zwischendurch laut gelacht und trotzdem gebannt verfolgt, wer wohl hinter dem Diebstahl und dem Todesfall steckt. Die Auflösung ist einfach grandios gelöst. Ich hatte Spaß, gute Unterhaltung und nehme das Buch mit zu meinem nächsten Buchclubtreffen.

Magst du die Kriminalromane von Agatha Christie? Hast du nichts gegen eine gute Portion Humor während der Ermittlung? Dann habe ich hier eine besondere Geschichte für dich, die schon beim Titel das erste Schmunzeln entlockt. „Mord ohne Vorwort“ von Freya Sampson bietet gute Unterhaltung bis zum Schluss. Es ist ein kleiner Ausflug in ein idyllisches Örtchen in England, in dem der Buchclub sich selbst nach guter Romanmanier zum Ermittler aufspielt. Du findest den ein oder anderen Seitenhieb auf Agatha Christie und Shakespeare, die zum Schmunzeln einladen, und ich denke, du wirst wie ich bis zum Schluss rätseln müssen. Denn die Lösung kam für mich ganz anders als erwartet, aber ganz und gar logisch. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach einem unterhaltsamen Krimi sind und das Leben nicht zu ernst nehmen. Ich hab das Buch einfach verschlungen und werde jetzt mal nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten.

Inhaltsangabe

Der Buchclub des englischen Küstendorfs St Tredock ist eine eingeschworene Gemeinschaft: Die Rentnerin Phyllis kennt alle Agatha-Christie-Krimis in- und auswendig, Arthur liest seiner Frau Liebesgeschichten vor, und der schüchterne Teenager Ash flüchtet sich am liebsten in Science-Fiction-Romane. Nova, die neue Leiterin des Buchclubs im Gemeindezentrum, hat alle Hände voll zu tun, die Lesevorlieben unter einen Hut zu bringen. 
Eines Tages bekommt die bunte Runde unerwarteten Zuwachs: Der geheimnisvolle Michael taucht auf – und verschwindet während eines Treffens genauso plötzlich wieder. Kurz darauf wird seine Mutter tot aufgefunden, und 10.000 Pfund fehlen in der Kasse des Gemeindezentrums. Das schreit nach Verbrechen!, denken die Hobbydetektive des Buchclubs und wittern ihre Chance, ihren bei Miss Marple erlernten Spürsinn einzusetzen, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Denn dass es sich beim Tod von Michaels Mutter nicht um einen Unfall handeln kann, ist schnell klar. 
Inspiriert von Weisheiten aus ihren liebsten Büchern begeben sich die Buchclubmitglieder auf die Spuren des Verbrechens, immer mit einem guten Schuss britischem Humor im Gepäck.

Bibliografie

Cover vom Kriminalroman: Mord ohne Vorwort von Freya Sampson erschienen im Dumont Buchverlag

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Autor: Freya Sampson
Genre: Kriminalroman
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800903
Erscheinungsdatum: 14. Juli 2026
Format: Taschenbuch, Ebook und Hörbuch u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 384
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Moosland von Katrin Zipse

Moosland von Katrin Zipse

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Moosland von Katrin Zipse aus dem Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover wirkt wie ein Gemälde. Unten ist Gras in unterschiedlichen Grüntönen zu sehen, dahinter erheben sich weiß-gräuliche Formen und darüber spannt sich ein heller blauer Himmel. Bei der Hardcover-Ausgabe zieht sich dieses Bild bis auf die Rückseite und bildet einen stimmigen Hintergrund für den Klappentext. Das Buch ist mir sofort ins Auge gefallen und ich wollte wissen, was sich dahinter verbirgt.

Moosland von Katrin Zipse erschien im DuMont Buchverlag. Die Geschichte spielt auf Island in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist eine fiktive Handlung, die reale Umstände aufgreift: Viele junge deutsche Frauen kamen damals nach Island, um auf Bauernhöfen zu arbeiten und wurden zum Teil dort verheiratet. Der Klappentext greift die wichtigsten Aspekte sehr passend auf.

Ich durfte auf dem Bloggerevent des Verlags auf der Leipziger Buchmesse der Autorin zuhören. Sie berichtete von ihrer Recherchereise nach Island und dem Schreibprozess. Außerdem nahm sie mich mit ihrer Stimme direkt mit in die Geschichte und las ein Kapitel daraus vor. Meine Neugier war sofort geweckt und ich musste nach der Buchmesse direkt wieder in die Geschichte eintauchen.

Erzählt wird aus der Sicht von Elsa, allerdings in der dritten Person, sodass ein gewisser Abstand zur Protagonistin bestehen bleibt. Sie reist gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda nach Island, hat dort jedoch kaum Gelegenheit, sie zu sehen, da ihre Einsatzorte weit auseinanderliegen. Der Kontakt erfolgt über Briefe. Durch diese Briefe erfahre ich viel über Elsas innere Gedanken und Gefühle und bekomme auch Einblicke in Gerdas Erleben. Das Leben auf dem Hof wird unmittelbar geschildert. Gerade zu Beginn ist Elsa nahezu stumm. Erst nach und nach lernt sie Isländisch und findet so einen Weg, sich mit dem Bauern, seiner Frau und den Kindern zu verständigen.

Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an meinen eigenen Schüleraustausch in Dänemark erinnert. Ich kam zwar nicht zum Arbeiten dorthin, verbrachte aber eine Woche auf einem Bauernhof. Da ich Französisch als zweite Fremdsprache gewählt hatte, konnte ich kaum ein Wort Dänisch. Zu meinem Glück traf ich auf eine Familie, die weder Deutsch noch Englisch sprach. Nur meine Gastschwester konnte sich ein wenig auf Englisch und Deutsch verständigen. So lernte ich, mich mit Händen und Füßen mit den Eltern auszutauschen. Dieses Bild am Küchentisch hatte ich vor Augen, während ich der Geschichte folgte.

Auch wenn ich das Buch haptisch sehr ansprechend finde, habe ich mir zusätzlich das Hörbuch gekauft und wurde von der Sprecherin nicht enttäuscht. Marie Wördemann trifft den passenden Ton für die Geschichte. Ich habe das Hörbuch in einem Rutsch gehört. Sie ließ mich in eine längst vergangene Welt eintauchen und setzte die besondere Sprache eindrucksvoll um. Ich mag Geschichten, die sich in einer gewählten Sprache entfalten. Sie geben mir das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen und ganz darin aufgehen zu können. Ich mag es, wenn Figuren sich bewusst und gewählt ausdrücken. In der heutigen Zeit gibt es viel Slang, den ich in literarischen Werken nicht brauche.

Magst du die weite Landschaft Islands? Liebst du Geschichten, die historische Aspekte fiktiv aufgreifen? Dann bist du bei Moosland von Katrin Zipse gut aufgehoben. Mit einer eindrucksvollen Sprache versetzte mich die Autorin in das Jahr 1949. Ich durfte die Bewegung miterleben, in der deutsche Frauen nach Island kamen, um dort zu arbeiten und zu heiraten. Ich hatte zuvor bereits davon gehört, doch diese Geschichte hat mir die Zeit noch nähergebracht. Durch Elsas Perspektive konnte ich die besondere Dynamik innerhalb der Familie erleben und mich von den Jahreszeiten mitreißen lassen, die deutlich kürzere Zeitfenster für die Landwirtschaft bieten als bei uns. Von mir gibt es eine klare Lese- und Hörempfehlung für alle, die sich für die deutsche und isländische Nachkriegszeit interessieren.

Inhaltsangabe

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …

Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Bibliografie

Moosland von Katrin Zipse Hörbuchcover

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Autor: Katrin Zipse
Sprecher: Maria Wördemann
Genre: Belletristik
Verlag: DuMont
ISBN/ ASIN: B0G1C9HTKB
Erscheinungsdatum: 10. März 2026
Format: Hörbuch, gebundenes Buch und Ebook u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 224
Zeit: 5h49
Leseexemplar: Ja (Buch), Hörbuch selbst gekauft
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von DuMont bei der Leipziger Buchmesse zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©2026 DuMont Buchverlag

Strandgut von Benjamin Myers

Strandgut

von Benjamin Myers

Zu sehen ist das Lesetagebuch mit Sketchnotes zur Rezension vom Roman: Strandgut von Benjamin Myers erschienen im Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover ist einfach wunderschön und hat mich im Zusammenhang mit dem Titel magisch angezogen. Zu sehen ist ein gemaltes Bild mit rosa Wolken am Himmel und einem Glitzern von der Sonne auf dem Meer. Das Bild würde ich mir genau so in die Wohnung hängen. 

Strandgut von Benjamin Myers erschien im Dumont Buchverlag. Es handelt von Earlon Bucky Bronco, einem von Schmerz gepeinigten Amerikaner, der in seinen jungen Jahren einen Song veröffentlicht hat. Und von Dinah aus Scarborough, die mitten im Leben steht und ein faible für Soulmusik hat. Alles weitere erfährst du beim Lesen oder ein wenig mehr auch im Klappentext. 

Ich muss ja gestehen, dass ich bei dem Cover und dem Titel des Buches etwas ganz anderes erwartet hatte. Ja, ich habe den Klappentext gelesen und wusste, dass es um einen ältlichen Sänger geht, der eine Einladung nach England bekommen hat. Doch da ich mit England direkt die Nordsee verbinde, habe ich mir Strandgut in irgendeiner Form vorgestellt. Tja, der kam nicht wirklich, dafür aber eine Geschichte voller Liebe zur Musik.

Ich habe das Buch in Etappen gelesen, da ich nach meiner anfänglichen Diskrepanz zwischen Erwartung und der tatsächlichen Geschichte das Buch zur Seite legen musste. Doch beim Weiterlesen hat mich Bucky in sein Leben gezogen. Besonders seine Rückblenden in seine Jugend haben es mir angetan. So konnte ich ihn als Person immer besser greifen und nachvollziehen, wie er der geworden ist, der er war. 

Dinah hingegen fand ich von Anfang an unterhaltsam. Ich hatte direkt einen Groupie vor Augen und musste dann immer wieder schmunzeln, weil Bucky so gar nichts damit anfangen konnte, einfach herz allerliebst. 

Die Wortgewandtheit des Autoren bzw. auch des Übersetzers hat mich sofort fasziniert. Die Sprache ist sehr bildlich und so sitzt man quasi bei Dinah im Auto und holt Bucky vom Flughafen ab. Ein Zitat zu Beginn der Geschichte habe ich dir angefügt. Da zeigt Bucky sehr eindrucksvoll seinen Start in den Tag. 

„Wenn allein der Gedanke, aus dem Bett zu kommen, schon monumental schien, war die Vorstellung, um die halbe Welt zu reisen, eine Abstraktion, mit der er sich nicht befassen konnte, bevor er nicht wenigstens gefrühstückt, seinen ersten Kaffee getrunken, lange und ausgiebig geduscht, seine Tabletten genommen und einen zweiten Kaffee in sich hineingeschüttet hatte.“

Also ich hatte an dieser Stelle ein ganz genaues Bild vor Augen und freute mich auf weitere Momente, in denen die Sprache Bilder entstehen ließ. Dabei springt mir direkt der nächste Satz ins Auge.

„Leiden? Wie viel Zeit haben Sie? Ich würde sagen, dieses mitgenommene alte Kriegsschiff von einem Körper wird nur noch von Haut, Tabletten und Hoffnung zusammengehalten, und sonst von kaum mehr etwas. Verflucht. Alt werden ist so übel wie die Schweinepest.“

Und da aller guten Dinge drei sind habe ich noch ein weiteres Zitat, das mir besonders am Herzen liegt und in dem so viel Wahrheit steht. 

„Das war mit das Schlimmste am Altwerden, das Gefühl, zurückgelassen worden zu sein, einer der letzten zu sein, die die Party verließen, vielleicht auch das Gefühl, die Gastfreundschaft dieser Welt überstrapaziert zu haben.“

Magst du ruhige und skurrile Geschichten? Hast du ein Faible für britischen Humor? Dann kommst du in Strandgut von Benjamin Myers auf deine Kosten. Begleite den Sänger Bucky, der quasi nur ein einziges Mal gesungen hat auf eine Reise nach England, wo er quasi als Idol gefeiert wird. Schau in das Leben von Dinah und verstehe ihre absolute Vernarrtheit in die Musik im allgemeinen und Buckys Lied im speziellen. Freue dich auf ein paar unterhaltsame und sehr bildgewaltige Zeilen. Auch wenn ich zu Beginn so meine Probleme mit der Geschichte hatte, habe ich sie bis zum Schluss sehr gerne gelesen und hatte ein paar schöne Lesemomente. Ich empfehle das Buch gerne weiter, doch Achtung, lese meine kurze Anmerkung zu Titel und Cover und lass dich davon nicht in die Irre führen.

Inhaltsangabe

Earlon »Bucky« Bronco hat mit seinen siebzig Jahren noch nie das Meer gesehen. Und doch treibt er seit dem Tod seiner Frau durch Chicago wie ein Schiffbrüchiger. Zwischen Bett und Walmart-Apotheke zählt er die Stunden bis zum Ende. Da erreicht ihn eine unerwartete Nachricht: eine Einladung zu einem Soul-Festival im englischen Scarborough. Tatsächlich hat Bucky eine Vergangenheit als Soulsänger, doch in den USA sind seine wenigen Songs längst vergessen. An der britischen Küste angekommen, begreift er, dass er hier eine Art Legende ist. Und er trifft auf Dinah, eine melancholische und lebenskluge Mittfünfzigerin, die ihren deprimierenden Alltag am besten vergessen kann, wenn sie Buckys Lieder hört oder sich in die kalte Nordsee stürzt.
Benjamin Myers erzählt von zwei Gestrandeten, von den Stürmen des Lebens und dem Sog der Erinnerung. Vor allem aber erzählt er vom Meer, auf dessen Oberfläche immer ein Streifen Hoffnung schimmert.

Bibliografie
Zu sehen ist das Cover vom Roman: Strandgut von Benjamin Myers erschienen im Dumont Buchverlag

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Autor: Benjamin Myers
Genre: Belletristik
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800378
Erscheinungsdatum: 17. Juni 2025
Format: gebundenes Buch
Seitenzahl: 288
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Windstärke 17 von Caroline Wahl

Windstärke 17

von Caroline Wahl

Book Journal mit Sketchnotes zur Rezension vom Hörbuch: Windstärke 17 von Caroline Wahl erschienen bei Dumont audiobook. Gelesen von Maximiliane Häcke

Meine Meinung

Das Cover hat mich sofort magisch angezogen. Ich kann gar nicht genau sagen, ob es einfach der Titel: Windstärke 17 war oder doch das malerische Bild. Zu sehen ist ein Strandabschnitt, und wenn man genauer hinsieht, kann man zwei Personen mit einem langen Schattenwurf bzw. mit Spuren im Sand erkennen. Die Wellen schlagen mit weißer Gischt an den Strand. Seitlich ist etwas unförmiges dunkles zu sehen. Es könnte auf Windhosen passend zum Titel hindeuten, aber egal was es ist, in Summe ist es ein wunderschönes Cover. 

Windstärke 17 von Caroline Wahl erschien im Dumont Buchverlag. Das Hörbuch wurde von Maximiliane Häcke eingelesen. Es ist das zweite Buch der Autorin, die mit 22 Bahnen im vergangenen Jahr einen fulminanten Debütroman heraus gebracht hat. Die beiden Bücher haben zwei Schwestern als Protagonisten. Während ich in „22 Bahnen“ Tilda kennenlernen durfte mache ich nun einen gedanklichen Zeitsprung und darf ihre kleine Schwester Ida in einem ähnlichen Alter kennenlernen. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Wobei es in der Erzählung immer mal wieder kurze Verweise auf Begebenheiten aus dem ersten Roman gibt. Für das Verständnis werden diese aber ausreichend geklärt, so dass man getrost auch „Windstärke 17“ als erstes Buch von Caroline Wahl lesen kann. 

Im vorliegendem Hörbuch ist Ida die Protagonisten, sie fungiert als Ich-Erzählerin. Damit bin ich als Hörer ganz dicht an der Geschichte dran und kann mich gar nicht von ihrer Gefühlswelt lösen. Durch die Sprecherin Maximiliane Häcke bekommt Ida eine ganz eigene Stimme, die dafür sorgte, dass ich gar nicht aufhören konnte. Und so habe ich das Hörbuch in zwei Etappen über zwei Tage gehört.

Mich hat Idas Geschichte vom ersten Moment an gepackt. Mit großen Erwartungen bin ich in die Geschichte gestartet, denn das erste Buch von Caroline Wahl hatte mich so sehr geflasht, dass es schon Anfang des Jahres auf meiner Top Ten für 2023 gelandet war. Ich will dich jetzt gar nicht lange auf die Folter spannen, auch Windstärke 17 wird sich wohl in meiner Top Ten für 2024 einen Platz suchen. Wobei meine Top Ten dieses Jahr durchaus mehr Bücher enthalten könnte, da so viele großartige Bücher in diesem Jahr einen Weg zu mir finden. 

Aber nun zurück zum Buch und noch ein wenig zur Geschichte. Ida ist Anfang zwanzig und plötzlich ganz und gar auf sich gestellt. Ihre Mutter ist kürzlich verstorben und nun steht sie da, mit einem alten Koffer und weiß nicht so recht ob sie in der Wohnung bleiben möchte. Kurz entschlossen setzt sie sich in einen Zug, der sie schlussendlich nach Rügen bringt. Das Ziel ist willkürlich gewählt und so kommt sie ganz ohne Plan auf der Insel an. Dort trifft sie auf den Kneipenbesitzer Knut und seine Frau Marianne, die ihrem Leben scheinbar eine neue Wendung geben. Wäre da nicht noch Leif, der ihr Herz höher schlagen lässt.

Wie oben erwähnt, war mir Ida nicht unbekannt und so habe ich mich gefreut sie wieder zu treffen. Einen Moment musste ich bei dem enormen Zeitsprung von 22 Bahnen zu Windstärke 17 schlucken, doch irgendwie war es auch total schön. Denn so durfte ich ja auch Tilda mit dem gleichen Zeitsprung erneut begegnen in kürzester Zeit. Schon cool innerhalb eines Jahres um ca. zehn Jahre zu altern. Für mich ist das vollkommen okay, schließlich handelt eine Geschichte ja auch nicht nur von dem Zeitraum, in dem ich ein Buch lesen kann, sondern berichtet zum Teil über einen oder sogar mehrere Jahre. So fand ich es einfach schön Ida als Erwachsene zu begegnen. 

Von Beginn an habe ich mich wieder über den Satzbau gefreut. Ich hab mich quasi wie zu Hause gefühlt und fand es einfach schön den Zeilen zu lauschen. Die kurzen Dialoge von Ida mit ihren Mitmenschen haben mich ganz und gar abgeholt. Ich mag kurze und prägnante Sätze. Man muss ja nicht immer um den heißen Brei herum reden. Und diesmal gab es eine weibliche Bezugsperson, die ich ins Herz schließen konnte. Folgende zwei Anmerkungen von Ida über Marianne lassen dich vermutlich zu dem gleichen Schluss kommen.

„Marianne stellt nur Fragen, die ich beantworten kann.“ und „Marianne stellt gute Fragen.“

An dieser Stelle musste ich etwas schmunzeln und habe laut vor mich hin „Ja“ gesagt. Denn Ida hatte mit ihrer Feststellung so recht. Ich selbst kam zu derselben Erkenntnis. Während des Hörens habe ich die ganze Zeit überlegt, wie wohl der Titel des Buches zustande kam, denn beim ersten Buch kam die Erklärung sehr schnell. Auch wenn ich hier etwas warten musste, lieferte mir Ida die Erläuterung dazu. Eine google Suche hätte mir vermutlich vorher die Erkenntnis geliefert, doch wollte ich der Geschichte nichts vorweg nehmen. Anschließend habe ich dann kurz im Internet recherchiert, was es mit Windstärke 17 auf sich hat. Ich selbst kann mich gut an Orkanböen am Meer erinnern und wie die Wellen bei uns an den Deich schlugen. Alles andere an Windhosen und Co kenne ich nur aus Erzählungen bzw. durch die Nachwirkungen, die an Land nach einem Wirbelsturm zurückbleiben. 

Hast du Lust auf die Geschichte von einer verwaisten Studentin auf der Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens? Dann wirst du hier eine mutige Protagonistin finden, die nach dem Auffinden der toten Mutter versucht alle Brücken hinter sich abzureißen. Dabei lassen sich bei Ida durchaus autistische Züge erkennen, die sie mir noch viel liebenswerter machten. Witzig fand ich die Routine beim Frühstück mit den Aufbackbrötchen. Ich selbst sehe mich da auch, immer die gleiche Anzahl an Brötchen warm zu machen, jeden beliegen Tag. Für mich war es eine wunderbare Geschichte, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Mit Freude habe ich der Stimme von Maximiliane Häcke gelauscht und die ganze Zeit gehofft, dass Ida ihr Glück findet und auch in ihrem Studium weiter kommt. Wie es tatsächlich endet und was sie auf dem Weg dorthin erlebt musst du selbst herausfinden. Ich kann dir nur verraten, dass für mich das zweite Buch dem Debütroman in nichts nach steht und ich das Buch sehr sehr gerne weiter empfehle.

Inhaltsangabe

Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt – und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen SkipBo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie, aber vielleicht tun sie einander ja ganz gut. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, wärmer, erträglicher in Idas Leben. Doch dann erfährt sie, dass Marianne schwer krank ist, und der Schmerz bricht sich wieder Bahn.

Bibliografie

Autor: Caroline Wahl
Sprecher: Maximiliane Häcke
Genre: Belletristik
Verlag: Dumon audiobook
ISBN/ ASIN: B0D3F9DBNH
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2024
Format: Hörbuch, gebundenes Buch und Ebook erhältlich bei Amazon*
Zeit: 6h56
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, es wurde mir von DUMONT audiobook über Netgalley zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen:
Klappentext und Cover Original: ©DUMONT audiobook

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