Weiterleben von Patrick Charnley

Weiterleben von Patrick Charnley

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Weiterleben von Patrick Charnley erschienen im Dumont Verlag

Meine Meinung

Das Cover würde ich mir als Bild genau so in mein Lesezimmer hängen. Zu sehen ist eine gemalte Landschaft am Meer. Zwischen zwei Kurven einer schmalen Straße liegt auf der rechten Seite ein weißes Häuschen mit rotem Dach. Folgt man der Straße, wird der Blick auf die Steilküste und das Meer frei. Klappt man das Buch auf, bilden Rückseite und Cover ein zusammenhängendes, schönes Ölgemälde.

Weiterleben von Patrick Charnley erschien im Dumont Buchverlag. Aufmerksam wurde ich auf das Buch bei der Programmvorschau auf der Leipziger Buchmesse. Im Sommer trudelte die Hardcover-Ausgabe bei mir ein und schenkte mir ein paar schöne Lesestunden. Dabei habe ich das Buch wechselweise gehört oder gelesen. Das Hörbuch wurde übrigens von Aram Tafreshian eingelesen. Die Geschichte spielt in Cornwall und handelt von Jago Trevarno, der in einfachen Verhältnissen bei seinem Onkel direkt an der Küste lebt und sich dort von seinem Beinahe-Tod und den Folgen erholt.

Jago ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Zu Beginn glaubte ich, er sei ein Mann in mittleren Jahren und Onkel Jacob müsse damit ein alter Mann sein. Doch meine Vorstellung wurde sehr bald relativiert, denn Jago ist gerade mal 20 Jahre jung, und damit wird sein Erlebnis und die damit verbundene Erschöpfung viel ergreifender. Neugierig habe ich verfolgt, wie er die Tücken seines nicht mehr ganz funktionierenden Kurzzeitgedächtnisses meistert. Aber lies am besten selbst. Mit dabei ist durch den Schurken Bill Sligo aus der Nachbarschaft auch noch ein gewisses Maß an Spannung.

Ich war sehr schnell mitten in der Geschichte und habe Jagos Erzählung gespannt verfolgt. Ich darf ihm im Alltag auf dem Hof seines Onkels über die Schulter schauen. Dabei muss ich gar nicht so viel schauen, sondern darf einfach zuhören, denn er beschreibt sein Vorgehen und seine Umgebung detailliert. So sehe ich ihn förmlich vor mir, wie er gerade wieder Holz auf den Ofen legt, um für Wärme, aber auch für die Zubereitung des Frühstücks zu sorgen.

Mit den Beschreibungen bekam ich ein gutes Gefühl für die Umgebung und konnte mir das Haus gut vorstellen. Schmunzeln musste ich bei der Abwesenheit von elektrischem Strom im Haus und dem Kompromiss, einzig im Schuppen eine Steckdose für die Kühltruhe zu betreiben. In Gedanken war ich so immer wieder beim Haus eines Nachbarn meiner Kindheit. Dort gab es zwar Strom und auch Wasser im Haus, allerdings kein wirkliches Badezimmer in dem Sinne, sondern noch ein Häuschen mit Herz in der Tür auf dem Hof.

Vor dem Beginn der eigentlichen Geschichte erfährst du durch eine kurze Anmerkung des Autors etwas zu seinen Beweggründen. Patrick Charnley hat selbst die Erfahrung gemacht, die er seinem Protagonisten mit der chronischen Erschöpfung andichtet. So wirken die Gedanken und Handlungen sehr authentisch, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Kraft es den Autor gekostet haben muss, dieses Buch zu schreiben, da er sich vermutlich immer wieder in die Geschichte einlesen musste.

Ich finde es spannend, wenn solche einschneidenden Erlebnisse in einen Roman eingebaut und verarbeitet werden. Bei mir sorgen sie dafür, dass ich mich der Geschichte noch näher fühle als sonst. Daher lese ich immer wieder gerne Geschichten mit autobiographischen Bezügen, auch wenn wir hier eine rein fiktive Geschichte vor uns haben, die ich bis zum Schluss einfach nur verschlungen habe.

Hast du dem Tod schon mal ins Auge geblickt? Magst du Geschichten mit sehr authentischen Figuren, die sich durch Krankheit ein neues Leben aufbauen müssen? Dann habe ich hier einen ganz besonderen Roman für dich. In „Weiterleben“ von Patrick Charnley darfst du den Protagonisten bei seinen täglichen Herausforderungen begleiten. Diese fangen schon mit dem Aufstehen und der Essenszubereitung an und ziehen sich mit immer wiederkehrender Erschöpfung durch den Tag. Es ist eine Geschichte, die dich lehrt, wie glücklich du dich schätzen kannst, dass dein Kurzzeitgedächtnis Informationen aufnehmen und speichern kann und du nicht jedes Detail aufschreiben musst, damit du dich auch morgen noch daran erinnern kannst. Ich habe die Geschichte einfach nur verschlungen und empfehle sie sehr gerne weiter.

Inhaltsangabe

Jago Trevarno war vierzig Minuten lang klinisch tot. Nun ist sein Leben ein anderes. Sein Kopf funktioniert nicht mehr so wie vorher, er ist schnell überfordert, wenn zu viele Dinge gleichzeitig passieren, lebt maximal im Augenblick, weil es nicht anders geht. Auf dem Hof seines Onkels Jacob an der Küste in Cornwall versucht er, die Teile seines Lebens wieder zusammenzusetzen. Hier gibt es keinen Strom, sondern Öllampen, die Butter wird im Fass gestoßen, auf dem Ofen steht eine große Kupferwanne. In dieser Umgebung findet Jago langsam zur Ruhe. Seine Tage sind bestimmt vom Rhythmus der Natur und der Arbeit. Er melkt die Kühe, repariert Zäune, reitet zum Meer aus und hilft sogar dabei, ein Fohlen zur Welt zu bringen. Alles könnte gut sein, zumindest für den Moment, wenn da nicht der Schurke Bill Sligo wäre, der Jago und seinem Onkel Jacob Ärger macht. Jago muss ihn stoppen, um zu bewahren, was er hat: einen Ort, an dem er weiterleben kann. Patrick Charnleys Roman erzählt anrührend und dabei unsentimental von einem Neuanfang im eigenen Tempo. Der Autor teilt das Schicksal seines Protagonisten – dieses Buch hat er dem Leben abgetrotzt.

Bibliografie

Weiterleben von Patrick Charnley erschienen im Dumont Verlag

#Anzeige#

Autor: Patrick Charnley
Genre: Belletristik
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800507
Erscheinungsdatum: 11. August 2026
Format: gebundenes Buch, Hörbuch und Ebook u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 288
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange erschienen im Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover zeigt einen schmalen Pfad durch eine hügelige, wenig bewachsene Landschaft. Hier und da sind Felsen zu sehen und auch ein alter, ungleicher Zaun steht am Wegesrand. Damit ist es ein ganz passendes Bild zur Geschichte.

Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange wurde im Dumont Buchverlag veröffentlicht. Die Geschichte spielt quasi nur fünf Tage auf einer Wanderung in den schottischen Highlands. Liliane erzählt aus der dritten Person und wacht so förmlich über das Geschehen.

In diesen fünf Tagen erfahre ich als Leser so viel mehr, als nur das aktuelle Geschehen. Es geht um Lilianes Kindheit und ihre Beziehung zu Sohn und Ex-Mann. Aber noch viel mehr dreht sich alles um ihren 89-jährigen Vater, der auf den Pfaden seiner Jugend ein letztes Mal wandern möchte. Auf diesem Weg kann Liliane das erste Mal ehrlich mit ihrem Vater sprechen. Einzig der Tod der Mutter wird umschifft.

Die Geschichte zeigt sehr schön, dass es im Prinzip nicht viel braucht, um einen inneren Frieden zu bekommen. Sie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, zu reden und seine Emotionen zu zeigen. Mit dabei sind sehr detaillierte Beschreibungen, die dafür sorgen, dass man in Gedanken mit Liliane und ihrem Vater den Weg absolviert.

„Bevor jemand etwas sagen konnte, eilte Liliane über den fadenscheinigen Läufer, durch das angerenzende Kaminzimmer, vorbei an vollgestopften Bücherregalen und Ölgemälden von struppigen Hochlandrindern. Fast stolperte sie im Flur über die aufgereihten matschigen Gummistiefel, die Treppe hinauf.“

Man spürt die Kälte und Feuchte und freut sich, wenn Klaus bei Ankunft einer Hütte erstmal das Feuer entfacht.

„Ich meine …“ Er blieb schon wieder stehen, suchte Halt mit den Füßen und leuchtete mit der Lampe auf seine Schuhe. „… als Frau braucht man doch einen Mann an seiner Seite, der ein klares Ziel vor Augen hat. Der nicht jede emotionale Bewegung mitmacht, die eigentlich bedeutungslos ist.“

Bist du schon mal mit leichten Sommerschuhen durch Matsch gewatet? Kennst du das Gefühl, wenn du unbedingt noch etwas klären musst, weil es dir sonst nachts keine Ruhe lässt? Dann hast du ein gutes Gespür für die Protagonisten in „Alte Pfade“ von Alexa Hennig von Lange. Damit kannst du ihre Ausstattung und ihre Beweggründe sehr gut nachvollziehen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

Inhaltsangabe

Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch. 
Ein atmosphärisch dichter und einfühlsamer Roman über die Neubegegnung zweier Menschen, die sich lange fern waren.

Bibliografie

Cover vom Roman: Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange erschienen im Dumont Buchverlag

#Anzeige#

Autor: Alexa Hennig von Lange
Genre: Belletristik
Verlag: Dumont Buchverlag
ISBN/ ASIN: 978-3755800651
Erscheinungsdatum: 15. September 2026
Format: gebundenes Buch, Ebook und Hörbuch u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 240
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Dumont Buchverlag

Moosland von Katrin Zipse

Moosland von Katrin Zipse

Beitragsbild zur Rezension vom Roman: Moosland von Katrin Zipse aus dem Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Das Cover wirkt wie ein Gemälde. Unten ist Gras in unterschiedlichen Grüntönen zu sehen, dahinter erheben sich weiß-gräuliche Formen und darüber spannt sich ein heller blauer Himmel. Bei der Hardcover-Ausgabe zieht sich dieses Bild bis auf die Rückseite und bildet einen stimmigen Hintergrund für den Klappentext. Das Buch ist mir sofort ins Auge gefallen und ich wollte wissen, was sich dahinter verbirgt.

Moosland von Katrin Zipse erschien im DuMont Buchverlag. Die Geschichte spielt auf Island in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist eine fiktive Handlung, die reale Umstände aufgreift: Viele junge deutsche Frauen kamen damals nach Island, um auf Bauernhöfen zu arbeiten und wurden zum Teil dort verheiratet. Der Klappentext greift die wichtigsten Aspekte sehr passend auf.

Ich durfte auf dem Bloggerevent des Verlags auf der Leipziger Buchmesse der Autorin zuhören. Sie berichtete von ihrer Recherchereise nach Island und dem Schreibprozess. Außerdem nahm sie mich mit ihrer Stimme direkt mit in die Geschichte und las ein Kapitel daraus vor. Meine Neugier war sofort geweckt und ich musste nach der Buchmesse direkt wieder in die Geschichte eintauchen.

Erzählt wird aus der Sicht von Elsa, allerdings in der dritten Person, sodass ein gewisser Abstand zur Protagonistin bestehen bleibt. Sie reist gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda nach Island, hat dort jedoch kaum Gelegenheit, sie zu sehen, da ihre Einsatzorte weit auseinanderliegen. Der Kontakt erfolgt über Briefe. Durch diese Briefe erfahre ich viel über Elsas innere Gedanken und Gefühle und bekomme auch Einblicke in Gerdas Erleben. Das Leben auf dem Hof wird unmittelbar geschildert. Gerade zu Beginn ist Elsa nahezu stumm. Erst nach und nach lernt sie Isländisch und findet so einen Weg, sich mit dem Bauern, seiner Frau und den Kindern zu verständigen.

Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an meinen eigenen Schüleraustausch in Dänemark erinnert. Ich kam zwar nicht zum Arbeiten dorthin, verbrachte aber eine Woche auf einem Bauernhof. Da ich Französisch als zweite Fremdsprache gewählt hatte, konnte ich kaum ein Wort Dänisch. Zu meinem Glück traf ich auf eine Familie, die weder Deutsch noch Englisch sprach. Nur meine Gastschwester konnte sich ein wenig auf Englisch und Deutsch verständigen. So lernte ich, mich mit Händen und Füßen mit den Eltern auszutauschen. Dieses Bild am Küchentisch hatte ich vor Augen, während ich der Geschichte folgte.

Auch wenn ich das Buch haptisch sehr ansprechend finde, habe ich mir zusätzlich das Hörbuch gekauft und wurde von der Sprecherin nicht enttäuscht. Marie Wördemann trifft den passenden Ton für die Geschichte. Ich habe das Hörbuch in einem Rutsch gehört. Sie ließ mich in eine längst vergangene Welt eintauchen und setzte die besondere Sprache eindrucksvoll um. Ich mag Geschichten, die sich in einer gewählten Sprache entfalten. Sie geben mir das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen und ganz darin aufgehen zu können. Ich mag es, wenn Figuren sich bewusst und gewählt ausdrücken. In der heutigen Zeit gibt es viel Slang, den ich in literarischen Werken nicht brauche.

Magst du die weite Landschaft Islands? Liebst du Geschichten, die historische Aspekte fiktiv aufgreifen? Dann bist du bei Moosland von Katrin Zipse gut aufgehoben. Mit einer eindrucksvollen Sprache versetzte mich die Autorin in das Jahr 1949. Ich durfte die Bewegung miterleben, in der deutsche Frauen nach Island kamen, um dort zu arbeiten und zu heiraten. Ich hatte zuvor bereits davon gehört, doch diese Geschichte hat mir die Zeit noch nähergebracht. Durch Elsas Perspektive konnte ich die besondere Dynamik innerhalb der Familie erleben und mich von den Jahreszeiten mitreißen lassen, die deutlich kürzere Zeitfenster für die Landwirtschaft bieten als bei uns. Von mir gibt es eine klare Lese- und Hörempfehlung für alle, die sich für die deutsche und isländische Nachkriegszeit interessieren.

Inhaltsangabe

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird …

Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

Bibliografie

Moosland von Katrin Zipse Hörbuchcover

#Anzeige#

Autor: Katrin Zipse
Sprecher: Maria Wördemann
Genre: Belletristik
Verlag: DuMont
ISBN/ ASIN: B0G1C9HTKB
Erscheinungsdatum: 10. März 2026
Format: Hörbuch, gebundenes Buch und Ebook u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 224
Zeit: 5h49
Leseexemplar: Ja (Buch), Hörbuch selbst gekauft
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir von DuMont bei der Leipziger Buchmesse zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen: Klappentext und Cover Original: ©2026 DuMont Buchverlag

Der Hund des Nordens von Elizabeth McKenzie: Verrückte Figuren und unterhaltsame Beschreibungen

Der Hund des Nordens

von Elizabeth McKenzie

Lesetagebuch mit Sketchnotes zur Rezension vom Roman: Der Hund des Nordens von Elizabeth McKenzie. Das Buch erschien im Dumont Buchverlag

Meine Meinung

Bei dem Cover musste ich sofort an Reklameschilder am Highway in Amerika denken und damit liege ich auch gar nicht so verkehrt, wie du dem Klappentext entnehmen kannst. An dem Schildermast werden der Name der Autorin und der Titel des Buches durch einen roten Pfeil verbunden, der vermutlich im Dunkeln leuchten würde, wenn es denn eine echte Reklametafel wäre. Es ist nicht unbedingt ein Cover, dass mich auf den ersten Blick anspricht, aber es ist sehr passend zur Geschichte gestaltet. 

Der Hund des Nordens von Elizabeth McKenzie erschien im Dumont Buchverlag. Das Buch habe ich in der Goddie Bag bei dem Blogger Treffen des Verlags auf der Leipziger Buchmesse gefunden und es direkt auf meine Juni Leseliste gesetzt. Der Klappentext verspricht einen Roadtrip quer durch die USA und nach Australien. Unternommen wird der von Penny Rush, die gerade an allen Ecken und Kanten etwas zu kitten hat. Ihre Ehe ist gescheitert, ihre Eltern verschollen und ihre Großeltern brauchen auf die eine oder andere Art ihre Hilfe. Wie hier „der Hund des Nordens“ ins Spiel kommt, darfst du gerne selbst lesen. Ich verrate dir aber schon mal soviel, es ist nicht irgendein besonderer Hund, sondern der Bulli, mit dem Penny zum Teil unterwegs ist wurde von seinem Besitzer so genannt. Und damit startet eine Geschichte, die ich nicht so erwartet hätte.

Beim Lesen war ich etwas zwiegespalten. Und weiß gerade noch nicht so recht, wie ich meinen Lesefluss und mein Leseempfinden in Worte fassen soll. Der Klappentext hat mich auf einen spannenden Roadtrip hoffen lassen, doch den vermisste ich auf den ersten Seiten, denn die Protagonisten setzt sich als erstes in die Bahn, um zu ihrer scheinbar dementen Großmutter zu fahren. Dort kommt „der Hund des Nordens“ ins Spiel, aber den Roadtrip konnte ich auch dort nicht finden. Also musste ich meine Erwartungen beiseite legen und mich auf die Geschichte einlassen.

So lernte ich nicht nur die etwas verrückte Großmutter kennen, sondern auch ihren Steuerberater, den Besitzer des Bullis. Wer bei der Großmutter eine Oma im klassischen Sinne erwartet, die sich auf ihre Enkeltochter freut, der hat nicht annähernd ein Bild von Frau Dr. Luise Pincer vor Augen. Die Benennung durch Penny sagt da schon einiges aus. Für mich war es nicht wirklich nachvollziehbar, da ich selber ganz andere Großmütter hatte, die beide ihr Lebtag berufstätig waren. 

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, die von der Ich- Erzählerin Penny erzählt werden. Für mich besonders spannend war der zweite Teil, denn dort dürfen wir Penny und ihre Schwester zusammen in Australien erleben. Hier fand ich dann auch endlich den erhofften Roadtrip, der jedoch ein jähes Ende nahm. An dieser Stelle hätte ich mir eine ausführlichere Erzählung erhofft, denn das Ereignis hatte für mich soviel Potenzial, das leider nicht genutzt wurde. 

Was ich jedoch besonders fand und was mich bis zum Ende durch halten ließ, waren die besonderen Beschreibungen von Personen, Umgebungen und Ereignissen. So darfst du dir den Exmann von Penny als Mann mit einem „fassrunden Oberkörper“ vorstellen. Und der Steuerberater wird als „großer, schwerer Mann“ tituliert. Zu ihm habe ich mir auch ein Zitat notiert, dass mir als PTA einfach ins Auge stieß:

„Burts Verdauungsapparat gluckste wie die schwefeldampfenden Geysire im Yellowstone Park.“

Ich war zwar noch nie im Yellowstone Park und kenne nur die heißen Geysire auf Island, aber bei der Beschreibung habe ich ein ganz gutes Bild von Akustik und Geruch in diesem Moment. 

Magst du kuriose Figuren und unterhaltsame Beschreibungen? Dann wirst du hier deine wahre Freude haben. Während die Protagonisten noch ziemlich normal erscheint, abgesehen von ihrem selektiven Mutismus, kommen die weiteren Personen mit ganz unterschiedlichen Besonderheiten daher. Die eine hat ein voll ausgestattetes Sprechzimmer im Haus, der andere lebt quasi mit all seinem Hab und Gut zwischen Büro und Auto. Jeder einzelne wird bis ins kleinste charakterisiert, so dass man als Leser ein ganz genaues Bild von ihm bekommt. Das Kopfkino kommt beim Lesen auf seine Kosten und lässt einen trotz fehlender Spannung weiterlesen.

Inhaltsangabe

Penny Rush hat diverse Probleme: Ihre Ehe ist gescheitert, sie hat ihren Job gekündigt, ihre Mutter und ihr Stiefvater sind vor fünf Jahren im australischen Outback verschollen und ihre Großmutter verliert langsam, aber sicher den Verstand. Ihr bleibt keine Wahl: Sie macht sich auf den Weg, sich um sämtliche Notfälle in ihrer Familie zu kümmern.
Wir begleiten Penny auf einem Roadtrip quer durch Kalifornien in einem alten meeresgrünen Van namens ›Hund des Nordens‹ und auf einer Reise bis nach Australien. Sie freundet sich auf ihrer Tour nicht nur mit zwei Brüdern an, die sich vielleicht ein Toupet teilen, sondern kriegt auch nach und nach den Wahnsinn, der ihr Leben ist, in den Griff. Zumindest ein bisschen. Treu an ihrer Seite: ein verhaltensauffälliger Spitz. Und dann verliebt sich Penny sogar – ein paar zusätzliche Irrungen und Wirrungen machen schließlich auch keinen Unterschied mehr. 
Dieser exzentrische, detailverliebte und empathische Roman mit seiner durch und durch sympathischen Heldin lässt sich kaum aus der Hand legen und zeigt, dass nicht nur alle Familien auf ihre Art unglücklich sind – sondern vor allem auf ihre Art verrückt.

Bibliografie

Autor: Elizabeth McKenzie
Genre: Roman
Verlag: Dumont
ISBN/ ASIN: 978-3832168049
Erscheinungsdatum: 17. Juni 2024
Format: gebundenes Buch und Ebook erhältlich bei Amazon*
Seitenzahl: 352
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, es wurde mir von Dumont zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen:
Klappentext und Cover Original: ©Dumont

*Affiliate Link – Ich erhalte eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich unverändert.

Windstärke 17 von Caroline Wahl

Windstärke 17

von Caroline Wahl

Book Journal mit Sketchnotes zur Rezension vom Hörbuch: Windstärke 17 von Caroline Wahl erschienen bei Dumont audiobook. Gelesen von Maximiliane Häcke

Meine Meinung

Das Cover hat mich sofort magisch angezogen. Ich kann gar nicht genau sagen, ob es einfach der Titel: Windstärke 17 war oder doch das malerische Bild. Zu sehen ist ein Strandabschnitt, und wenn man genauer hinsieht, kann man zwei Personen mit einem langen Schattenwurf bzw. mit Spuren im Sand erkennen. Die Wellen schlagen mit weißer Gischt an den Strand. Seitlich ist etwas unförmiges dunkles zu sehen. Es könnte auf Windhosen passend zum Titel hindeuten, aber egal was es ist, in Summe ist es ein wunderschönes Cover. 

Windstärke 17 von Caroline Wahl erschien im Dumont Buchverlag. Das Hörbuch wurde von Maximiliane Häcke eingelesen. Es ist das zweite Buch der Autorin, die mit 22 Bahnen im vergangenen Jahr einen fulminanten Debütroman heraus gebracht hat. Die beiden Bücher haben zwei Schwestern als Protagonisten. Während ich in „22 Bahnen“ Tilda kennenlernen durfte mache ich nun einen gedanklichen Zeitsprung und darf ihre kleine Schwester Ida in einem ähnlichen Alter kennenlernen. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden. Wobei es in der Erzählung immer mal wieder kurze Verweise auf Begebenheiten aus dem ersten Roman gibt. Für das Verständnis werden diese aber ausreichend geklärt, so dass man getrost auch „Windstärke 17“ als erstes Buch von Caroline Wahl lesen kann. 

Im vorliegendem Hörbuch ist Ida die Protagonisten, sie fungiert als Ich-Erzählerin. Damit bin ich als Hörer ganz dicht an der Geschichte dran und kann mich gar nicht von ihrer Gefühlswelt lösen. Durch die Sprecherin Maximiliane Häcke bekommt Ida eine ganz eigene Stimme, die dafür sorgte, dass ich gar nicht aufhören konnte. Und so habe ich das Hörbuch in zwei Etappen über zwei Tage gehört.

Mich hat Idas Geschichte vom ersten Moment an gepackt. Mit großen Erwartungen bin ich in die Geschichte gestartet, denn das erste Buch von Caroline Wahl hatte mich so sehr geflasht, dass es schon Anfang des Jahres auf meiner Top Ten für 2023 gelandet war. Ich will dich jetzt gar nicht lange auf die Folter spannen, auch Windstärke 17 wird sich wohl in meiner Top Ten für 2024 einen Platz suchen. Wobei meine Top Ten dieses Jahr durchaus mehr Bücher enthalten könnte, da so viele großartige Bücher in diesem Jahr einen Weg zu mir finden. 

Aber nun zurück zum Buch und noch ein wenig zur Geschichte. Ida ist Anfang zwanzig und plötzlich ganz und gar auf sich gestellt. Ihre Mutter ist kürzlich verstorben und nun steht sie da, mit einem alten Koffer und weiß nicht so recht ob sie in der Wohnung bleiben möchte. Kurz entschlossen setzt sie sich in einen Zug, der sie schlussendlich nach Rügen bringt. Das Ziel ist willkürlich gewählt und so kommt sie ganz ohne Plan auf der Insel an. Dort trifft sie auf den Kneipenbesitzer Knut und seine Frau Marianne, die ihrem Leben scheinbar eine neue Wendung geben. Wäre da nicht noch Leif, der ihr Herz höher schlagen lässt.

Wie oben erwähnt, war mir Ida nicht unbekannt und so habe ich mich gefreut sie wieder zu treffen. Einen Moment musste ich bei dem enormen Zeitsprung von 22 Bahnen zu Windstärke 17 schlucken, doch irgendwie war es auch total schön. Denn so durfte ich ja auch Tilda mit dem gleichen Zeitsprung erneut begegnen in kürzester Zeit. Schon cool innerhalb eines Jahres um ca. zehn Jahre zu altern. Für mich ist das vollkommen okay, schließlich handelt eine Geschichte ja auch nicht nur von dem Zeitraum, in dem ich ein Buch lesen kann, sondern berichtet zum Teil über einen oder sogar mehrere Jahre. So fand ich es einfach schön Ida als Erwachsene zu begegnen. 

Von Beginn an habe ich mich wieder über den Satzbau gefreut. Ich hab mich quasi wie zu Hause gefühlt und fand es einfach schön den Zeilen zu lauschen. Die kurzen Dialoge von Ida mit ihren Mitmenschen haben mich ganz und gar abgeholt. Ich mag kurze und prägnante Sätze. Man muss ja nicht immer um den heißen Brei herum reden. Und diesmal gab es eine weibliche Bezugsperson, die ich ins Herz schließen konnte. Folgende zwei Anmerkungen von Ida über Marianne lassen dich vermutlich zu dem gleichen Schluss kommen.

„Marianne stellt nur Fragen, die ich beantworten kann.“ und „Marianne stellt gute Fragen.“

An dieser Stelle musste ich etwas schmunzeln und habe laut vor mich hin „Ja“ gesagt. Denn Ida hatte mit ihrer Feststellung so recht. Ich selbst kam zu derselben Erkenntnis. Während des Hörens habe ich die ganze Zeit überlegt, wie wohl der Titel des Buches zustande kam, denn beim ersten Buch kam die Erklärung sehr schnell. Auch wenn ich hier etwas warten musste, lieferte mir Ida die Erläuterung dazu. Eine google Suche hätte mir vermutlich vorher die Erkenntnis geliefert, doch wollte ich der Geschichte nichts vorweg nehmen. Anschließend habe ich dann kurz im Internet recherchiert, was es mit Windstärke 17 auf sich hat. Ich selbst kann mich gut an Orkanböen am Meer erinnern und wie die Wellen bei uns an den Deich schlugen. Alles andere an Windhosen und Co kenne ich nur aus Erzählungen bzw. durch die Nachwirkungen, die an Land nach einem Wirbelsturm zurückbleiben. 

Hast du Lust auf die Geschichte von einer verwaisten Studentin auf der Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens? Dann wirst du hier eine mutige Protagonistin finden, die nach dem Auffinden der toten Mutter versucht alle Brücken hinter sich abzureißen. Dabei lassen sich bei Ida durchaus autistische Züge erkennen, die sie mir noch viel liebenswerter machten. Witzig fand ich die Routine beim Frühstück mit den Aufbackbrötchen. Ich selbst sehe mich da auch, immer die gleiche Anzahl an Brötchen warm zu machen, jeden beliegen Tag. Für mich war es eine wunderbare Geschichte, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Mit Freude habe ich der Stimme von Maximiliane Häcke gelauscht und die ganze Zeit gehofft, dass Ida ihr Glück findet und auch in ihrem Studium weiter kommt. Wie es tatsächlich endet und was sie auf dem Weg dorthin erlebt musst du selbst herausfinden. Ich kann dir nur verraten, dass für mich das zweite Buch dem Debütroman in nichts nach steht und ich das Buch sehr sehr gerne weiter empfehle.

Inhaltsangabe

Ida hat nichts bei sich außer dem alten, verschrammten Hartschalenkoffer ihrer Mutter, ein paar Lieblingsklamotten und ihrem MacBook, als sie ihr Zuhause verlässt. Es ist wahrscheinlich ein Abschied für immer von der Kleinstadt, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hat. Im Abschiednehmen ist Ida richtig schlecht; sie hat es vor zwei Monaten nicht einmal auf die Beerdigung ihrer Mutter geschafft. Am Bahnhof sucht sie sich den Zug aus, der am weitesten wegfährt – und landet auf Rügen. Ohne Plan, nur mit einem großen Klumpen aus Wut, Trauer und Schuld im Bauch, streift sie über die Ostseeinsel. Und trifft schließlich auf Knut, den örtlichen Kneipenbesitzer, und seine Frau Marianne, die Ida kurzerhand bei sich aufnehmen. Zu dritt frühstücken sie jeden Morgen Aufbackbrötchen, den Tag verbringt Ida dann mit Marianne, sie walken gemeinsam durch den Wald oder spielen SkipBo, abends arbeitet Ida mit Knut in der »Robbe«. Und sie lernt Leif kennen, der ähnlich versehrt ist wie sie, aber vielleicht tun sie einander ja ganz gut. Auf einmal ist alles ein bisschen leichter, wärmer, erträglicher in Idas Leben. Doch dann erfährt sie, dass Marianne schwer krank ist, und der Schmerz bricht sich wieder Bahn.

Bibliografie

Autor: Caroline Wahl
Sprecher: Maximiliane Häcke
Genre: Belletristik
Verlag: Dumon audiobook
ISBN/ ASIN: B0D3F9DBNH
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2024
Format: Hörbuch, gebundenes Buch und Ebook erhältlich bei Amazon*
Zeit: 6h56
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, es wurde mir von DUMONT audiobook über Netgalley zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen:
Klappentext und Cover Original: ©DUMONT audiobook

*Affiliate Link – Ich erhalte eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich unverändert.

Ein Reisebericht: Dumont Schnitzeljagd in Köln

Auf Schnitzeljagd durch Köln: Die Bücherjägerin von Elisabeth Beer

Am Samstag, den 12. August 2023 stand auf meinem Programm: Community Event – interaktive Schnitzel- und Bücherjagd durch Köln & gemeinsamer Abend im Literaturcafé Goldmund inklusive Lesung und Gespräch mit der Autorin zum Roman: Die Bücherjägerin von Elisabeth Beer aus dem Dumont Buchverlag. 

Buchcover und Sketchnotes: Die Bücherjägerin von Elisabeth Beer aus dem Dumont Verlag

Also klingelte mein Wecker wie gewohnt um 6 Uhr und der Tag begann. Meine Tasche hatte ich am Vorabend gepackt, damit ich auch ja nicht mein Buch und meine Seite aus dem Lesetagebuch zum Signieren vergesse. Gestärkt mit Frühstück und Kaffee ging es dann schon gegen 7 Uhr auf die Autobahn, da mein Mann meinte, meine geplanten zweieinhalb Stunden für die Fahrt nach Köln würde nicht reichen. Also bin ich mit mehr Puffer gen Süden gestartet, als vorab gedacht.

Die Autobahn war für einen Samstag in den Sommerferien sehr leer. Und so war ich inklusive kleiner Irrwege, da ich dem Navi keine Stimme gab, um mein Hörbuch zu genießen nach knapp drei Stunden an meinem Endpunkt angekommen. Das herausgesuchte Parkhaus konnte ich leider nicht direkt befahren, da ein Straßenfest aufgebaut wurde und ich nicht wusste, wie ich dann abends dort wieder wegkomme. So habe ich mein Auto auf einem etwas zwielichtig anmutendem Parkplatz in der Nähe des Literaturcafés Goldmund abgestellt und hoffte, dass die Schranke beim Rausfahren auch noch offen stehen würde, so wie bei meiner Ankunft.

Schnitzel- und Bücherjagd

Vom Parkplatz ging es dann zu Fuß zum Treffpunkt für die Schnitzel- und Bücherjagd. Viel zu früh kam ich an der Buchbinderei Mensch an und spähte verstohlen durch die Schaufensterscheibe. Doch ich blieb nicht lang alleine, denn Torsten und Liesa vom Dumont Buchverlag waren bereits in der Nähe. Nach und nach trudelten die Blogger und Bücherfreunde für den ersten Durchgang ein. Insgesamt fanden 25 Buchverrückte den Weg zur Schnitzeljagd. 

In der Buchbinderei Mensch wurden wir von der Inhaberin Sarah Stahl herzlich begrüßt und bekamen einen guten Überblick über ihr Angebot und ihre Tätigkeiten. Mein Highlight war der Blick ins Materiallager. Dort befanden sich viele verschiedene stärken von Graupappe und Bezügen für Cover. Da könnte ich mich häuslich einrichten. Als kleines Andenken durften wir alle ein Lesezeichen mit Folienprägung versehen. So konnte ich das erste mal Buchstaben setzen. Kurz habe ich überlegt, was ich auf mein Lesezeichen schreiben sollte, habe mich dann aber ganz einfach für meinen Vornamen entschieden. Danach durften wir noch einen Blick in die heiligen Hallen im Untergrund werfen, wo wir einen Einblick auf einfache Reparaturen von Büchern bekamen. Wobei sie anmerkte, dass sie Buchbunderin sei und keine Restauratorin, wie die Protagonistin im Buch. Ich habe für mich ganz viele Fotos von den Bindungen gemacht und damit eine Idee bekommen, wie ich die Seiten für mein diesjähriges Lesetagebuch binden könnte. Die Zeit verging wie im Flug und schon hieß es aufbrechen zur Schnitzeljagd durch Köln.

In der Buchbinderei Mensch in Köln

Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. In meiner Gruppe waren wir sieben Buchbegeisterte (Sabrina, Léa, Manu, Olivia, Diana, Angela und ich)

Die Stimmung war gut und mit dem ersten Hinweis machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum ersten Ziel. Für den Weg bekamen wir einen Zettel mit Hinweisen und Aufgaben, den wir ganz schnell erledigten. Ziel war die Buchhandlung manulit, die mich total begeistert hat. Auf den ersten Blick ist die Buchhandlung einfach anders und lädt zum Verweilen ein. Alle Bücher liegen bzw. stehen so, dass man das Cover auf den ersten Blick erkennen kann. Für mich als Coverkäufer genau die richtige Buchhandlung. Mit etwas mehr Zeit wäre hier mein Geldbeutel bestimmt leichter geworden. Doch nach einer kurzen Runde durch die Buchhandlung machten wir uns auf den Weg zum nächsten Ziel. Denn bei manulit durften wir den nächsten Umschlag öffnen mit weiteren Aufgaben.

Das zweite Ziel war schnell erkannt und dank google fanden wir den Weg zum Buch- und Designshop Siebter Himmel. Mich hat die Schaufensterdekoration mit den Washi Taps sofort angezogen. Auch hier hatte die Buchhandlung einiges zu bieten. So lud richtig schön verwinkelt zum Bleiben ein und für Kinder gab es ein kleines Versteck samt Sternen. Neben den Büchern fand sich hier noch allerlei Dekoratives und Accessoires in den Regalen, die den Ort zu einem besonderen Geschenkefinder machen. Unseren Aufenthalt hielten wir hier recht kurz, weil unsere Mägen hörbar knurrten. 

Also lösten wir die nächsten Aufgaben zum Teil und zogen erst mal ins cafecafe an der Aachener Straße. Hier hielt der Dumont Buchverlag für uns Gutscheine bereit, so dass wir uns einen Beagle und Kaffee bestellen konnten. Das Essen war einfach köstlich und die Stimmung gut. So warteten wir unter dem Schirm die heftigen Regenschauer ab, um uns wieder der Schnitzeljagd zu widmen. 

Beagle im cafecafe in Köln mit Kaffee

Der aktuelle Aufgabenzettel führte uns zu einer großen Herausforderung. Auf dem Melaten Friedhof versuchten wir den Anweisungen zu folgen, um das Rätsel zu lösen. Doch irrten wir mehr oder weniger auf dem Friedhof umher. Dabei stießen wir zufällig auf das Grab von Konrad Adenauer und seinen Kindern. Doch den Sensenmann fanden wir anfangs nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich am nächsten Hinweis an. Doch uns lief langsam die Zeit davon. So setzten wir uns in die Bahn und fuhren zum vierten Stopp. 

Die nächste Station war für uns der Buchladen Nippes in der Neusser Straße. Hier wartete für jeden von uns ein Büchergutschein vom Dumont Buchverlag und eine kleine Tüte mit Geschenken vom Buchladen. Vorab hatten wir schon mit Liesa telefoniert und unsere Verspätung fürs Abendessen angekündigt. So kauften wir nur schnell ein Buch und machten uns auf den Rückweg zur Straßenbahnstation. 

Das vorletzte Ziel der Schnitzeljagd ließen wir dann schweren Herzens aus. Wir hatten uns auf dem Friedhof einfach verzettelt und nun fehlte uns die Zeit um noch zu Agnes Buchhandlung die Straße weiter hoch zu gehen. Irgendwie KO saßen wir dann in der Straßenbahn auf dem Weg zum Literaturcafé Goldmund. Dort kamen wir als letzte Gruppe an und mussten uns leider an mehrere Tische verteilen. So kam unsere tolle Gruppe zu einem jähen Ende. Es fanden sich aber dafür neue Gesprächspartner.

Die Autorin Elisabeth Beer liest aus ihrem Roman: Die Bücherjägerin aus dem Dumont Buchverlag

Im Literaturcafé startete der Abend erst mal mit einem Gespräch zwischen der Lektorin und der Autorin Elisabeth Beer. Ich habe den Zweien gerne gelauscht und habe so etwas mehr zum Buch und seiner Entstehung erfahren. Im Anschluss ging es ans vegane Buffett. Da hat mir die kalte spanische Tomatensuppe besonders gut geschmeckt. Aber auch der Rest konnte sich geschmacklich sehen lassen. Für mich eine gute Auswahl, die von dem leckeren Schokopudding zum Nachtisch abgeschlossen wurde. Anschließend habe ich mir eine Signatur für mein Buch und auch für meine Lesetagebuchseite geholt. Dabei kam ich kurz mit Elisabeth Beer ins Gespäch. Danach wechselte ich den Tisch und kam mit einer weiteren Angestellten vom Verlag ins Gespräch. Die Zeit flog einfach nur so an mir vorbei. Gegen halb zehn packte ich dann meine Sachen, um mich auf den Heimweg zu machen.

Mein Auto fand ich auf dem Parkplatz sofort wieder und die Schranke für die Ausfahrt war zu meinem Glück immer noch offen. Die Rückfahrt dauerte etwas länger, als die Hinfahrt, da ich die Vollsperrung der A1 zu spät beachtet hatte und so kurz durch Münster irren musste bevor ich den richtigen Weg nach Hause fand. Kurz vor eins war ich dann zu Hause und fiel müde und glücklich ins Bett. 

Mein Fazit

Die Schnitzel- und Bücherjagd war ein voller Erfolg. Ich habe neue Blogger kennengelernt, mit denen ich mich vom ersten Moment an gut verstanden habe. Die einzelnen Stationen der Jagd waren gut gewählt, auch wenn wir uns auf dem Friedhof etwas verirrt haben. In besonderer Erinnerung bleibt mir die erste Station in der Buchbinderei. Das war einfach genau das richtige für mein Bastelherz und in der Buchhandlung Manulit im Anschluss kam auch mein Bücherherz zu seinem Glück. Für mich ein gelungener Tag, für den ich gerne mal sechs Stunden im Auto verbringe, um von A nach B und wieder zurück zu fahren. 

Vielen Dank an den Dumont Buchverlag für dieses besondere Community-Event. Ich bin beim nächsten Mal gerne wieder dabei. Dafür fahre ich auch nach Köln.

WC Hinweis im Literaturcafe Goldmund