Kerstin fragt … Autoren, Blogger und Sprecher antworten
heute mit Cornelia Tillmanns

Moin, magst du dich meinen Lesern kurz vorstellen?
Hallo Kerstin, danke, dass du mich zu dem Interview eingeladen hast, anlässlich der Veröffentlichung von Nicole Bergmanns „Buch Unterwegs zu mir“, ein wunderschöner Australien-Roman. Okay, wer bin ich? Mein Name ist Cornelia Tillmanns, ich bin Hörbuchsprecherin, lebe mit meinen drei Kindern in Aachen und liebe meinen Job sehr, den ich gerade erst vor zwei Jahren gewechselt habe. Ich war vorher 25 Jahre lang Grundschullehrerin, sehr gerne, sehr begeistert. Dann hat mich das Neue gerufen.
Beschreibe dich und dein Tun in 5 Worten.
Mein Ton in fünf Worten? Spontan, kreativ, verrückt. Meine Kinder würden das, glaube ich, unterschreiben, die Schulkinder auch.
Wenn dein Leben ein Buchtitel wäre, wie würde er lauten – und warum?
Vertrauensvoll und dankbar. The long way back home. Das wäre der Titel für meine Memoiren, wenn ich welche schreiben würde. Denn ganz ursprünglich wollte ich Schauspiel studieren und dachte, ja, jetzt mach erst mal was Vernünftiges. Das habe ich dann 25 Jahre lang sehr gern getan. Und jetzt hat es mich wieder, die Bühne, das Sprechen. Ja, und ich liebe es sehr.
Wie bereitest du dich auf die unterschiedlichen Figuren in einem Buch vor? Hast du ein System, um ihre Stimmen und Persönlichkeiten zu markieren oder festzulegen?
Ich bereite mich gerne auf die Hörbücher vor. Ich lese sie wirklich vorher und markiere mir mit verschiedenen Farben die verschiedenen Charaktere. Überlege mir, wer ist wie? Was sind so prägende Charaktereigenschaften? Und wenn es mir schwerfällt, diese auseinanderzuhalten, dann überlege ich mir, wer wäre welches Tier? Das hilft mir dann.
Mit wem würdest du gerne mal ein Hörbuch einsprechen, und warum wäre diese Zusammenarbeit für dich besonders?
Ich würde sehr gern mal ein Buch zusammen mit Omid Paul Eftekhari sprechen. Für mich ist das so einer der Großmeister des Hörbuchsprechens neuerer Zeit. Und ich liebe seine wunderschöne Stimme. Und er spricht sehr anspruchsvoll. Und mit wenig Wechsel der Stimme merkt man immer, wer gerade spricht. Was mich völlig fasziniert hat, war, als ich von ihm Romeo und Julia vor vielen Jahren gehört habe. Und ich habe ihm auch die Amme geglaubt. Und das, obwohl er als Mann gesprochen hat.
Wie gehst du mit langen oder besonders schwierigen Textpassagen um, die voller Zungenbrecher oder Fachjargon sind?
Schwierige Textpassagen, die markiere ich mir. Ich habe so ein System von Katharina Koschny. Guter Tipp in Berlin. Und markiere mir Betonungen, Pausen. Ja, und dann übe ich das einfach auch.
Gibt es eine besondere Szene oder ein Hörbuch, das dir in Erinnerung geblieben ist, weil es dich emotional besonders berührt hat?
Es gibt mittlerweile zum Glück ganz viele Bücher, die mich sehr berühren. Und das ist auch irgendwie kein Wunder, weil ich bin ja in dem Moment der Charakter, dem das jeweilige widerfährt. Besonders prägend war aber eines meiner allerersten Hörbücher. Und zwar „Der Himmel am nächsten Morgen“ von Ira Laudin. Das ist eine Liebesgeschichte auf zwei Zeitebenen. Es spielt in Wuppertal. Und die Geschichte, wie wir zueinander gefunden haben, ist das Besondere. Ich habe den ersten Satz ihres Buches bei Instagram gelesen und dachte mir, oh, das möchte ich sprechen. Und ein paar Tage später bekam ich die Anfrage für genau dieses Hörbuch. Hab mich dann bei Ira gemeldet und sie sagte, ich habe mir gewünscht, dass du es sprichst. Ich hatte vorher aber erst ein einziges Hörbuch gesprochen. Und sie sagte, ja, aber ich habe nur das eine gefunden. Und ich so, ja, es gibt doch noch gar nicht mehr. Und das hat mich sehr vertrauensvoll dem Universum danken lassen, dass sowas passieren darf.
Wie viel Einfluss hast du bei der Gestaltung von Hörbüchern (z. B. bei der Interpretation der Figuren oder der Sprechweise)?
Ich darf in der Tat sehr, sehr frei entscheiden, wie ich die Hörbücher gestalte. Manchmal hat die Autorin der Autor Lust mit zu überlegen und dann zoomen wir oder treffen uns und ich höre dann, wie hat der Autor sich das vorgestellt. Oder ich erzähle, was in meinem Kopf so ist, welche Stimmen ich höre und dann gleichen wir das ab.
Was macht dir an deinem Beruf als Hörbuchsprecher am meisten Spaß?
Am allermeisten liebe ich an meinem Beruf, dass ich im Garten sitze und ein Buch lese und denke, oh, merkt jemand, dass ich hier gerade arbeite. Und wenn ich das Buch dann erzähle, dass ich die Person bin. Das ist eine sehr emotionale Sache. Gerade habe ich Bücher gesprochen von der Jani Friese, wo es um Verfolgung im Nationalsozialismus geht. Und das berührt. Und es ist auch schön, das wieder abzuschütteln und zu wissen, es ist nicht mein Leben. Gerade habe ich „Wird schon“ von Leona Maihofer gesprochen. Die liebe Leona hat ME/CFS und das zu sein für den Moment, ganz viel mit rauszunehmen aus dem Buch, an Dankbarkeit, weil ich darf auf den Markt gehen und einkaufen, weil ich es kann, ist bezaubernd. Und den Menschen ein bisschen Gehör zu verschaffen.

Hast du beim Einsprechen von „Unterwegs zu dir“ von Nicole Bergmann Fernweh bekommen?
Ja, natürlich habe ich Fernweh bekommen, als ich Nicoles wunderschönes Buch gesprochen habe. Denn ich war noch gar nicht in Australien. Ich reise selbst sehr gern und es wäre ein großer Wunsch, da mal hinzureisen. Aber es war nicht nur das Meer und die Tiere, sondern auch ganz besonders die Begegnung mit Jarrah, dem First Nation Mann, der mit seiner Weisheit die Menschen zum Hinhören und Einhalten bringt. Das würde mich sehr faszinieren, so eine Begegnung erleben zu dürfen und hinzuhören.
Liebe Cornelia vielen Dank, dass du dich meinen Fragen gestellt hast. Du hast mir einen spannenden Blick hinter die Kulissen gegeben.





























