Rezension: Kalte See von Hendrik Berg

Kalte See

von Hendrik Berg

Kalte See von Hendrik Berg Sketchnote

Meine Meinung

Das Cover verströmt ein düsteres Bild. Ein Leuchtturm ragt aus den Dünen hervor. Das Wasser läuft langsam an den Strand, der voller Strandkörbe steht. Ein paar Möwen fliegen am letzten hellen Fleck des Himmels bevor alles dunkel zu werden scheint.

Für Theo Krumme ist es der 5. Fall. Für mich ist es der dritte, da ich die ersten zwei Bücher bisher noch nicht gelesen habe. Diesmal verschlägt es den Husumer Kriminalkommissar mit seiner Kollegin Pat Reichel auf die Insel Föhr.

Bei der Fahrt mit der MS Schleswig Holstein von Dagebüll nach Wyk wird bei mir Sehnsucht geweckt. Zu gerne wäre ich mit den Ermittlern auf die Nordsee Insel gefahren. Hendrik Berg beschreibt die Überfahrt sehr schön. Auch die Begrüßung der Beamten auf der Insel kann ich mir bildlich vor Augen führen. Nicht nur kommen die zwei vom Festland, das ja so weit weg ist. Nein, der Kommissar ist auch noch ein Zugezogener aus der Großstadt Berlin. Da ist Skepsis bei der hiesigen Inselpolizei natürlich vorprogrammiert. Ich mag diese Klischees, sie sind ein fester Bestandteil meiner Kindheit.

Mit kurzen Blenden in die Vergangenheit habe ich als Leser geringfügig mehr Ahnung als die Ermittler vor Ort. So weiß ich ziemlich schnell, dass ein Serienkiller an Urlaubsorten sein Unwesen treibt. Durch die Sprünge in der Zeit wird die Spannung gut aufgebaut. Als Leser möchte ich wissen, wie die Ermittler zu meiner Erkenntnis kommen. Die Mordszenen werden detailliert beschrieben. Man kann nahezu die Panik in den Augen der Opfer erkennen. So wird das Grauen vor dem Serienkiller noch unterstützt.

Theo Krumme und Pat waren mir sofort wieder vertraut. Ich finde die zwei zusammen ein kauziges Ermittlerduo. Der Hauptkommissar wird immer mehr zu einem richtigen Nordfriesen und seine junge Kollegin ist der neumodische Gegenpart dazu. Das Privatleben von Krumme kommt diesmal auch nicht zu kurz. Ich musste beim Lesen immer wieder daran denken, wie wichtig doch Kommunikation ist. Die besten Szenen des Lebens entstehen, wenn Kommunikation einfach nicht vorhanden ist. Ich finde es immer wieder amüsant. Als Leser habe ich das Gefühl eingreifen zu müssen. Doch als Außenstehender sind mir die Hände gebunden. Ich muss akzeptieren, dass manche Menschen einfach nicht miteinander reden.

Für mich war es ein unterhaltsamer Krimi, der meine Sehnsucht nach der Heimat für einen Moment gestillt hat. Es ist ein schöner Nordseekrimi, den man gut am Strand lesen kann. Durch die passende Geräuschkulisse kann der Gruselfaktor an der ein oder anderen Stelle bestimmt unterstützt werden. Ich habe den Kriminalroman verschlungen und bin gespannt auf den nächsten Fall von Theo Krumme.

Inhalt

Mitten in der Hochsaison wird auf der Insel Föhr die Leiche einer jungen Frau am Strand entdeckt. Kommissar Krumme und seine Kollegin Pat ermitteln diskret, um keine Panik aufkommen zu lassen. Doch schnell erhärtet sich der Verdacht, dass sie einem grausamen Serienkiller auf der Spur sind, der schon in anderen Teilen Deutschlands gemordet und nun den Weg auf die beschauliche Insel gefunden hat. Als die Presse davon Wind bekommt, gerät der Kommissar unter Druck. Wenig hilfreich scheint da zunächst das überraschende Auftauchen von Krummes Freund Harke, der zur Lösung des Falls auf seine ganz eigene, unkonventionelle Art beitragen möchte …

(Quelle: Random House GmbH)

Details zum Buch

Kalte See von Hendrik Berg Ebook

Kalte See

von Hendrik Berg

Kriminalroman
Verlag: Goldmann Verlag
erschienen am: 18. März 2019
ISBN eBook: 978-3-641-24401-9
ISBN Taschenbuch: 978-3-442-48893-3
Seiten: 352

Rezensionsexemplar

Ein Fall für Theo Krumme

  1. Deichmörder – liegt auf dem SUB
  2. Lügengrab – liegt auf dem SUB
  3. Küstenfluch – Meine Rezension
  4. Schwarzes Watt – Meine Rezension
  5. Kalte See – Du bist hier

Rezension: Schwarzes Watt von Hendrik Berg

Ich habe mal wieder bei einem Gewinnspiel gewonnen. Über das Buch mit Widmung vom Autor habe ich mich besonders gefreut. Es spielt in meiner Heimat, die dem Autoren besonders ans Herz gewachsen ist. In der Danksagung nennt Hendrik Berg seine Lieblingsnordfriesen Inga und Frank, die zwei wohnen circa 500m Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt. Die Welt ist schon ganz schön klein manchmal.

Schwarzes Watt

von Hendrik Berg

Buch: Schwarzes Watt von Hendrik Berg

Meine Meinung

Das Cover zeigt ein typisches Bild der Nordseeküste und des Wattenmeers. Die Ebbe hat einen kleinen Priel freigelegt. Ein Ruderboot liegt auf dem trockenen. Hier und da ist etwas grünes, vermutlich Quella oder Seegras zusehen. Über dem Watt fliegen Möwen in einen dunkler werdenden Himmel. Während an Land noch die Sonne auf die Dünen strahlt scheint über dem Meer sich ein Unwetter anzubahnen. Ich muss bei dem Cover sofort an den Hafen von Everschopsiel denken, an dem ich zahlreiche Wattwanderungen unternommen habe.

Die Geschichte wird in der 3. Person erzählt. Der Erzähler steht über den Dingen und weiß sehr viel mehr, als die einzelnen handelnden Personen. Der Nordsee- Krimi baut sich aus verschiedenen Erzählsträngen zusammen.

Der Roman startet mit dem Tag der zweiten großen Mandränke. Wobei diese nicht explizit erwähnt wird. Aber als gebürtige Eiderstedterin kenne ich dieses Datum und kann es interpretieren. Dieses Wissen ist aber nicht notwendig, denn es geht allein um die Gefahr, die von dem nahenden Unwetter ausgeht. Immer wieder wird die Handlung in der Gegenwart von Ereignissen aus vergangenen Jahrhunderten unterbrochen. Ich finde das ganz spannend, denn gerade das Unwetter und die Gefahr um die Deiche macht Eiderstedt aus. Ich sage nur: Wer nicht will deichen muss weichen. Wobei das heutzutage natürlich keine Anwendung mehr findet.

Die Haupthandlung befasst sich mit Ina und ihrer vermeintlichen Entdeckung des Mörders ihrer Schwester. Ihren Mut und ihre Verzweiflung werden sehr gut dargestellt. Man muss einfach mit Ina mit fühlen. Kommissar Krumme entwickelt sich immer mehr zu einem Nordfriesen, finde ich. Er ist ein typischer Einzelgänger. Auf seine ganz spezielle Art ermittelt er zusammen mit seiner viel jüngeren Kollegin Pat.

Für mich war das jetzt der zweite Roman von Hendrik Berg. Schwarzes Watt ist inzwischen der 4. Fall von Kommissar Krumme. Das Buch ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den vorherigen Fällen gelesen werden. Natürlich ist es spannender zu sehen, wie sich Krumme und seine Beziehung zu den Einheimischen weiterentwickelt in den einzelnen Büchern.

Von mir gibt es eine ganz klar Leseempfehlung für jeden Krimi Fan. Ich finde die Beschreibung der Orte in Nordfriesland sehr authentisch und bei den Charaktere muss ich einfach schmunzeln. Vermutlich kann man besonders als nicht Nordfriese die typischen Merkmale gut herausarbeiten.

Inhalt

„Die Nordsee kann sehr kalt sein …

Als die Kölnerin Ina Urlaub an der Küste macht, holt sie ihre Vergangenheit ein. Sie ist sicher, dass sie den Mörder ihrer vor zwanzig Jahren getöteten Schwester wiedererkannt hat. Kommissar Krumme und seine junge Kollegin Pat von der Kripo Husum nehmen die Ermittlungen auf und finden bald heraus, wen Ina gesehen hat: Pastor Jonas Hartung, ein hoch angesehener Mann, ein Pfeiler der Gemeinde. Krumme tut, was er am besten kann – er vertraut seinem Bauchgefühl und nicht der Beweislage. Dennoch ahnt auch er nicht, an welch tiefe Abgründe ihn der Fall führen wird.“ (Quelle: Klappentext)

Details zum Buch

Nordsee- Krimi

Taschenbuch

368 Seiten

ISBN: 978-3-442-48728-8

Preis: 10,00 €

Verlag: Goldmann

erschienen am:  19.03.2018

erhältlich bei Amazon*

*Affiliate Link – Ich erhalte eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich unverändert.

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Anzeige: Regionalkrimis aus Norddeutschland

Wenn du mich vor ein paar Jahren gefragt hättest: Woher meine favorisierten Kriminalromane kommen? Wäre meine Antwort ganz klar Skandinavien gewesen. Am liebsten habe ich Krimis aus Island und Schweden verschlungen. Den deutschen Romanen konnte ich nichts abgewinnen. Auf den Tischen in den Buchhandlungen fielen mir einfach nur die ausländischen Krimis ins Auge.

Doch seit der Krimi- und Thriller Woche 2016 hat sich das geändert. Ich habe gemerkt, dass wir auch in Deutschland gute Krimiautoren haben. Kürzlich bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen. Die Überschrift lautet: Hier spielen die beliebtesten Regionalkrimis. Schweden und Island habe ich da vergeblich gesucht. Dementsprechend scheint der Hype auf die Skandinavischen Krimis vorbei zu sein, oder aber die Hörbücher dazu haben nicht den passenden Sprecher gefunden. Doch auch mein geliebtes Norddeutschland ist im Ranking weit abgeschlagen. Dabei bietet der Westerhever Leuchtturm, oben im Foto hinter mir, einen sehr schönen Schauplatz für Mord und Intrigen hinterm Deich. Die Gewinnerregion ist Niederbayern, dem Landstrich kann ich so gar nichts abgewinnen. Ich habe bewusst aus der Region noch keinen Kriminalroman gelesen. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Allerdings bevorzuge ich Bücher aus Schleswig- Holstein. Seit dem ich nicht mehr im schönsten Bundesland Deutschlands lebe, müssen hin und wieder Heimatgefühle beim Lesen befriedigt werden.

Darum sind mir drei Autoren in letzter Zeit besonders ans Herz gewachsen.

Das Buch Stefanie Ross hat mich mit ihrem Krimi „Das Schweigen von Brodersby“ an die Schlei entführt. Beim Lesen konnte ich den Ort förmlich vor mir sehen. Bewusst bin ich in Brodersby noch nicht gewesen, aber an der Schlei habe ich schon viele Spaziergänge unternommen. Inzwischen muss ich bei der Schlei immer an den verstorbenen Partner meiner Tante denken. Bei seiner Beerdigung gab sein Bruder ein paar Anekdoten aus der Jugend zum besten. So hatte er als Entschuldigung, dass er zu spät zum Unterricht erschienen war, angeführt: er hätte den Weg über die Schlei beim besten Willen nicht gefunden. Bei dem Gedanken muss ich schmunzeln.

Cover: Küstenfluch von Hendrik BergHendrik Berg kommt zwar nicht von der Halbinsel Eiderstedt, aber er lässt seinen Kommissar Theo Krumme in meiner Heimat ermitteln. Der Kriminalroman „Küstenfluch“ hat es mir besonders angetan. Der Kommissar hält sich sogar in meinem Geburtstort Tetenbüll auf. Beim Lesen bin ich förmlich zusammen mit Theo Krumme über Eiderstedt gefahren und habe im Theatrium mit ihm zusammen Kaffee getrunken. An der Beschreibung der Orte merkt man, dass Hendrik Berg sich in der Region auskennt und gerne dort seine Zeit verbringt. Sein aktuelles Buch „Schwarzes Watt“ liegt schon auf meinem Nachttisch und wartet auf etwas Lesezeit.

Ostseerache von Eva Almstädt

Eva Almstädt lässt ihre Kommissarin Pia Korittki rund um Lübeck an der Ostsee ermitteln. Ich habe bisher den 11. Fall „Ostseetod“ und den 13. Fall „Ostseerache“ gelesen. In der Ostseeregion von Schleswig- Holstein kenne ich mich nur bedingt aus. Aber trotzdem werden hier Heimatgefühle geweckt. Alleine das Meer reicht aus, um mich zum Träumen zu bringen. Mit der Region rund um Lübeck verbinde ich einen Fahrradurlaub mit einer Freundin. Wir haben uns eine Woche von Jugendherberge zu Jugendherberge gestrampelt. Und dabei bestimmt den einen oder anderen Ort gesehen, an dem Pia Korittki ermittelt.

Wie du siehst, ist für mich ganz klar Norddeutschland der beste Schauplatz für Kriminalromane. Liebst du auch Regionalromane? Welcher Krimi ist dein Favorit und warum gefällt dir die Region besonders gut?

Ich bin gespannt auf deine Antwort, vielleicht ist ja der ein oder andere Lesetipp für mich dabei und lässt mich mal über den Tellerrand schauen.

Books on Monday – Hendrik Berg

Küstenfluch von Hendrik Berg

Cover: Küstenfluch von Hendrik Berg
Die Halbinsel Eiderstedt mit dem Cover von Hendrik Bergs „Küstenfluch“

Kriminalroman
Taschenbuch
320 Seiten
ISBN: 978-3-442-48556-7
€ 9,99
Verlag: Goldmann
Erschienen: 20.03.2017

Meine Rezension

Das Cover hat mich angezogen. Der Haubarg auf einer Warft hat mich direkt an meine Heimat erinnert. Der düstere Himmel und der Schwarm Möwen komplettieren das nordfriesische Bild. Möchtest du wissen, was ein Haubarg ist, liefert dir Wikipedia die passende Erklärung.

Mal wieder ohne Klappentext zu kennen landete das Buch auf meiner Wunschliste. Und wie so oft wurde ich nicht enttäuscht. „Küstenfluch“ ist der dritte Roman um den Kommissar Theo Krumme. Als Berliner Polizist hat es ihn nach Husum verschlagen, der grauen Stadt am Meer.

Ich kenne die ersten beiden Bücher der Reihe nicht. Es gibt zwar den Ein oder Anderen Hinweis auf zuvor gelöste Fälle, doch kann ich ohne weitere Vorkenntnisse der Geschichte folgen. Der Roman ist für sich abgeschlossen und baut nicht auf die vorherigen Bücher „Deichmörder“ und „Lügengrab“ auf.

Theo Krumme ermittelt zusammen mit seiner jungen Kollegin Patrizia Reichel. Während vor der Halbinsel Eiderstedt ein Wrack im Watt auftaucht, ereignen sich auf dem Land mysteriöse Todesfälle. Bauer Jessen wird in der Scheune tot aufgefunden. Die betroffene Familie verhält sich typisch norddeutsch und ist wortkarg. Nur mit Mühe kommt das Ermittlerteam dem Grund auf die Spur.

Der Roman ist leicht zu lesen und hat mich an Orte meiner Kindheit zurück gebracht. Das Schiffswrack erinnert mich an eine Erzählung von meinem Vater. Er war mal wieder mit dem Fahrrad am Deich unterwegs, von Tetenbüll Richtung Westerhever Leuchtturm (Die Orte spielen im Roman auch eine Bedeutung). Die Nordsee hatte im Watt ein paar Holzpfähle freigelegt, von der Anordnung her ließen sie auf einen Schiffsrumpf deuten. Nach ein paar Tagen waren sie aber wieder spurlos verschwunden. Das Wattenmeer vor der nordfriesischen Küste hat schon etwas mystisches an sich.

Kerstin vorm Westerhever Leuchtturm
Hinter mir das Wahrzeichen der Halbinsel Eiderstedt: Der Leuchtturm Westerhever

Ich möchte dich jetzt noch kurz an einen Ort im Buch mitnehmen, auf eine Fahrt von Krumme.

Kurz darauf hatte er Tetenbüll erreicht, ein malerisches Dörfchen, das eigentlich nur aus einer alten Kirche und ein paar schiefen Häusern und Bauernhöfen bestand.

Damit ist mein Geburtsort ziemlich gut beschrieben. Krumme war in Tetenbüll im „Café im Theatrium“ verabredet. Früher war es mal ein typisches Wirtschaft mit Saalbetrieb. Heute kann man dort auf gemütlichen Sofas und Sesseln Kaffee und Kuchen genießen. Krumme genießt es nicht wirklich, aber sein Gesprächspartner. Wenn es dich also auf die Halbinsel verschlägt, dann kehre dort mal ein.

Von mir bekommt das Buch eine ganz klare Leseempfehlung. Die örtlichen Gegebenheiten finde ich sehr gut recherchiert und die Charaktere sind dem Autor gelungen. Sogar ein kleiner Hinweis auf eine langjährige Fehde ist zu finden. Das zeigt mir, der Autor hat sich mit echten Eiderstedtern unterhalten. Ich sag nur Dithmarscher und Eiderstedter.

Vielen Dank an die Random House Gruppe für das Rezensionsexemplar.

Da hätte ich doch fast meine liebste Textstelle aus dem Buch vergessen.

Die Bushaltestelle bestand nur aus einem verbogenen Schild mit Fahrplan. Der Bus kam hier nur vier mal am Tag vorbei.

Da musste ich unweigerlich an die kleine Bushaltestelle auf dem Grundstück meiner Eltern denken. Wir hatten zwar auch eine kleine Hütte, aber der Bus fuhr kaum häufiger. Man konnte morgens um kurz nach sechs nach Husum fahren und gegen 13 uns 16 Uhr konnte man wieder nach Hause fahren. Mehr war nicht drin.