Tanger Transit von Claus G.H. Mayer|Belletristik

Tanger Transit: Ein Fluchtversuch

von Claus G.H. Mayer

Book Journal mit Sketchnotes zur Rezension vom Roman: Tanger Transit: Ein Flutversuch von Claus G.H. Mayer erschienen bei Tredition

Meine Meinung

Das Cover kommt sehr unscheinbar daher. Auf einem hellen Untergrund steht oben der Titel des Buches und darunter ein Bild von einem Boot, das auf den ersten Blick sehr alt wirkt. Für mich ein Cover, hinter dem ich nicht unbedingt so einen spannenden Roman vermutet hätte. 

Tanger Transit – Ein Fluchtversuch von Claus G. H. Mayer erschien im Selfpublishing über tredition. Wie man dem Titel entnehmen kann geht es um die Flucht von Marokko nach Spanien. Und sehr präzise, um den Weg dahinter, der zu einer Flucht und den möglichen Bootsunglücken führt.

Die Geschichte wird durchgängig in der dritten Person erzählt mit verschiedensten Erzählern, die nach und nach für den Verlauf der Handlung wichtig werden. Im Fokus steht Cotter, ein Deutscher, der mit seinem Wagen oft in Marokko unterwegs ist und von Spanien immer wieder auch Selbstfahrer Touristen mit nach Afrika nimmt und denen das Land zeigt. Wie du im Klappentext nachlesen kannst, startet die Handlung in Spanien an der Küste und führt dann über die Fähre nach Tanger und weiter ins Landesinnere von Marokko.

Eine weitere Figur ist Hassan, der Cotter auf seinem Weg durch Marokko begleitet. Die beiden verstehen sich im Laufe der abenteuerlichen Fahrt durchs Land immer besser. Und gewöhnen sich an ihre Macken. Die weiteren Erzähler möchte ich hier nicht nennen, da sie zu viel von der Geschichte vorweg nehmen würden. 

Tauchen im Text spezifische Begriffe auf, die nicht zum allgemeinen Wortschatz gehören, werden diese sehr ausführlich über Fußnoten erklärt bzw. die Hintergründe dazu erläutert. Das hat mir sehr gut gefallen und störte mich in keinster Weise im Lesefluss. Denn die Fußnoten waren in der Regel so gesetzt, dass man sie sehr gut zum Seitenende einfach lesen konnte. 

Mit fundiertem Hintergrundwissen wurde hier eine tragische Reise erzählt, die einem nicht nur das Land als solches näher bringt, sondern auch die Missstände im Allgemeinen und Speziellen aufdeckt und behandelt. Auch wenn es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt, wirkt sie beim Lesen so real, dass ich das Gefühl hatte direkt mit Cotter und Hassan durch die Wüste zu reisen. Für mich ist es ein Abenteuerroman, ein Erlebnisbericht oder einfach ein spannender Roman, der zum Nachdenken anregt. 

Ich habe beim Lesen mich in Gedanken mit auf reisen begeben. Auch wenn ich fasziniert und manchmal auch mit einem Schmunzeln die Zeilen gelesen habe, habe ich doch auch die ganze Zeit die reale Welt im Hinterkopf gehabt. Denn das Thema ist immer noch allgegenwärtig und lässt uns vermutlich auch nicht so schnell los. 

Bei Cotters Beschreibungen zum Land Afrika im allgemeinen und zu Marokko im speziellen habe ich einfach nur Fernweh bekommen. Wobei ich auch ganz klar sagen muss, in dem Land möchte ich kein Autofahren. Da wäre mein Gefährt in Nullkommanichts dahin. In diesem Sinne möchte ich dir ein Zitat mit auf den Weg geben. 

„Es gab vier Regeln: Niemand sieht dich. Du musst für alle mitdenken. Du bist der Einzige der bremst. Eine überfahrene Stoppstelle kostet 400 Dirham.“

In dem Satz findest du eigentlich alles wichtige zur Fahrt und warum ich dort niemals selbst hinterm Steuer sitzen würde. Aber dennoch haben mich Land und Leute sofort angesprochen und ich könnte mir vorstellen erneut einmal Marokko zu besuchen. Einen Tag in Tanger habe ich tatsächlich schon verlebt und in guter Erinnerung.

Doch spielen die Beschreibungen des Landes eher eine Nebenrolle, denn der Hauptaugenmerk liegt auf dem Nachvollziehen der Fluchtrute eines einzelnen, der von Cotter tot in Tarifa am Strand gefunden wurde. So wird den zahllosen Bootsflüchtlingen ein Gesicht und eine Geschichte gegeben.

Mit einem sehr realistischen Szenario schafft es Claus G.H. Mayer mich über 555 Seiten an das Buch zu fesseln. Er sorgt dafür, dass ich gespannt mit dem Protagonisten Cotter durchs Land reise und mich über jede Bekanntschaft auf seiner Etappe freue. Jede Etappe bringt neue Erkenntnisse, so dass man am Ende ein Bild davon hat, wer oder was hinter dem Opfer am Strand von Tarifa steckt.

Hast du Lust auf eine Geschichte, die zum Einen ganz real die Flucht aus Afrika darstellt und zum Anderen einem die Faszination Marokko näherbringt? Dann bist du hier genau richtig. Begebe dich mit Cotter auf die Fähre und fahre ganz nach seinem Tempo zusammen mit Hassan durch das Hinterland. Bei der ganzen tragischen Geschichte darfst du dennoch auch die schönen Ecken von Marokko kennenlernen und so hat man das Gefühl, auf einer ganz besonderen Reise gewesen zu sein. Ich empfehle jedem dieses Buch, der die Augen vor der Welt nicht verschließt und einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Flüchtlinge werfen möchte. Mich hat das Buch sofort gepackt und es bleibt mir vermutlich noch lange in Erinnerung.

Wenn dich das Thema interessiert, kann ich dir auch noch Boat People von Roland Künzel sehr ans Herz legen. Und wenn du ein wenig über Marokko lesen möchtest, habe ich ich noch Starnberg.Marrakesch.Starnberg von Thomas Pyczack oder Eine Prise Marrakesch von Thea C. Grefe für dich.

Inhaltsangabe

Als Cotter am Strand von Tarifa einen ertrunkenen Marokkaner findet, lässt ihn das nicht mehr los. Er folgt den Spuren des jungen Mannes und gerät immer tiefer in das Schicksal der Flüchtlinge aus Afrika und ihres oft grausamen Endes im Mittelmeer.

In diesem Roman setzt sich der Afrikafreund Claus G. H. Mayer fundiert mit den Hintergründen der Bootsunglücke und des Flüchtlingsstroms aus Afrika auseinander. Einfühlsam und mit viel Herz zeigt er die Menschen hinter den nackten Zahlen aus Presse und TV. Und er spart nicht mit Kritik: Denn nur, wer versteht, was hinter dem Leid Afrikas steckt, kann helfen, es zu beenden.

Bibliografie

Autor: Claus G.H. Mayer
Genre: Belletristik
Verlag: tredition
ISBN/ ASIN: 978-3347981744
Erscheinungsdatum: 05. Juli 2023
Format: Taschenbuch, gebundenes Buch und Ebook erhältlich bei Amazon*
Seitenzahl: 460
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, es wurde mir von Claus G.H. Mayer zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen:
Klappentext und Cover Original: ©Claus G.H. Mayer

*Affiliate Link – Ich erhalte eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich unverändert.

Senf mit Safran von Kaveh Ahangar

Senf mit Safran

von Kaveh Ahangar

Sketchnotes zur Rezension von Senf mit Safran von Kaveh Ahangar erschienen im Kampenwand Verlag

Meine Meinung

Das Cover lässt viel Spielraum zur Interpretation. Auf den ersten Blick musste ich an eine Sonne denken, die zum Teil von Wellen, Wolken bzw. Bergen verschluckt wird. Genauso gut kann es aber auch einfach nur ein Kreis sein, der zwischen verschiedenen Farbschichten herausschaut. Allerdings unterstützen die fliegenden Vögel den Eindruck, dass es sich um die Sonne handeln könnte. Ich mag die Verschmelzung der Farben und Formen, die das Bild zu einer gelungenen Komposition machen. 

Senf mit Safran – Eine feinfühlige Reise zwischen zwei Kulturen von Kaveh Ahangar erschien im Kampenwand Verlag. Es ist eine Erzählung zum Nachdenken über Toleranz und Integration. Sie zeigt sehr schön warum ein Deutscher nicht automatisch blond sein muss, denn die Nationalität beschränkt sich nicht auf eine Hautfarbe, sondern auf das Gefühl von Heimat.

Die Erzählung startet mit einer Vorstellung der Bezugspersonen des Ich- Erzählers im Iran. Dabei bleibt der Erzähler erstmal namenlos. Nur sein Großvater, seine Mutter, sein Vater und sein bester Freund Kurosh bekommen ein Gesicht. Jede Figur hat seine ganz eigene Bedeutung für den Erzähler. Sie stehen für Liebe, Ignoranz, Gewalt und Schutz. Wer für was steht verrate ich dir nicht, du musst die Erkenntnis beim Lesen selber machen. Mich hat besonders der erste Abschnitt sehr berührt, weil ich hier die Kindheit des Erzählers kennenlernen durfte. Außerdem hat mich folgender Satz nachdenklich gestimmt.

Kriege gibt es, weil der weiße Mann Geld verdienen will.

Ich möchte diesen Satz an dieser Stelle ganz unkommentiert lassen. Ein jeder darf Bitte über den Inhalt nachdenken.

Neben den Nachdenklichen Szenen, gab es auch Momente zum Lachen und schmunzeln. Und sie ließen die Entbehrungen der Flucht in den Hintergrund rücken. 

Aus kindlicher Sicht bedeutet für mich Deutschland Freiheit, Fußball, Beckenbauer, Hitler, Mercedes und Nena.

Zu diesem Zitat möchte ich anmerken, dass die Geschichte zur Zeit des ersten Golfkriegs (1980-1988) spielt. Zu der Zeit gehörten Beckenbauer und Nena natürlich dazu. Neben den Eindrücken von der Flucht und der ersten Zeit in Deutschland bekomme ich auch eine Idee, wie groß die Umstellung für den Erzähler und seinen Vater war. Hast du schon mal in orientalischen Regionen gegessen? 

Das Essen dort hat eine ganz andere Würze bzw. Schärfe als bei uns in Deutschland. So prägte sich mir sofort ein Bild von einem Iraner mit Salzstreuer und Tabasco Flasche in den Kopf, denn genau dies war der ständige Begleiter, um das hiesige Essen zu genießen. 

Für mich war es ein spannendes Buch, das mir Seiten vom Iran gezeigt hat, die mir vorher gar nicht so bewusst waren. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und mir im gewissen Sinne gezeigt, wie gut ich es habe in Deutschland geboren worden zu sein. Wie es im Untertitel so schön heißt, ist es eine feinfühlige Reise zwischen zwei Kulturen, die einen nicht mehr loslässt. Möchtest du mehr über das Leben im Iran, die Flucht nach Deutschland und die folgende Integration in einer biografisch angehauchten Erzählung erfahren, dann lege ich dir das Buch wärmstens ans Herz.

Inhaltsangabe

Vom Iran nach Deutschland – eine feinfühlige Reise zwischen zwei Kulturen

Der Erste Golfkrieg beendet die Kindheit eines iranischen Jungen, der nach seiner Flucht auf sich allein gestellt mit dem „exotischen“ deutschen Alltag fertig werden muss.

Eine wahre Geschichte Erfahrungen und Erlebnissen

Die sehr persönliche Sicht des Jungen legt einige Aspekte bloß, die westliche Regierungen im Hinblick auf ihre Beteiligung am Golfkrieg meist verschweigen. Mit scharfer Beobachtungsgabe demaskiert er genauso die Integrationsbemühungen und den latenten Rassismus in Deutschland. Während er sprachliche Barrieren überwindet, kommt es immer wieder zu – meist lustigen – Missverständnissen zwischen den so unterschiedlichen Kulturen. Dabei entsteht die Fragestellung, wo ein Flüchtling zu Hause ist, und wie man beim Pendeln zwischen diesen Kulturen seine Antworten findet.

dramatisch. witzig. informativ.

Senf mit Safran ist eine tagebuchähnliche Geschichte, welche auf wahren Erlebnissen des iranischen Autors selbst sowie Freunden und Bekannten aus dem Iran beruht.

Bibliografie

Autor: Kaveh Avangar
Genre: Belletristik
Verlag: Kampenwand Verlag
ISBN: 978-3986600747
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2022
Format: gebundenes Buch und Ebook erhältlich bei Amazon*
Seitenzahl: 148
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, es wurde mir von Kaveh Avangar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.


Quellen:
Klappentext und Cover Original: © Kaveh Avangar

*Affiliate Link – Ich erhalte eine kleine Provision. Der Preis bleibt für dich unverändert.


Weitere Meinungen zum (Hör-) Buch von meinen Bloggerkollegen:

Du hast das (Hör-)Buch auch gehört/ gelesen und rezensiert? Dann hinterlasse mir doch gerne deinen Link in den Kommentaren, dann füge ich Dich hier mit ein!

Vom Flüchten von Cordula Gartmann

Autoreninterview

mit Cordula Gartmann

https://www.facebook.com/kerstinskartenwerkstatt/posts/2793728170710391

Liebe Cordula, stelle Dich meinen Lesern kurz vor? 

Ich bin 51 Jahre alt, lebe in Hamburg und bin hauptberuflich Texterin im Bereich Social Media. 

Dein Roman „Vom Flüchten“ erschien letztes Jahr im Juni und steht aktuell auf der Longlist Contemporary 2020 des Skoutz-Awards. Magst du deinen Roman meinen Lesern mit 5 Sätzen schmackhaft machen? 

Ich schildere aus der Sicht der 13jährigen Janne Flucht und Vertreibung zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Janne erlebt dabei die Schrecken des Krieges, aber auch den Zusammenhalt in der Familie, die Stärke der Frauen. Die Frauen haben damals Unglaubliches geleistet; gekämpft, sich gegenseitig unterstützt, nie aufgegeben. Und ihre Familien durchgebracht. 

Das Thema Flüchten ist heute wieder so allgegenwärtig wie zum Ende des zweiten Weltkrieges. Meine Großmutter floh damals aus Oberschlesien nach Schleswig- Holstein. Sie hat zu ihren Lebzeiten nicht viel darüber gesprochen. Wie viel persönliche Erlebnisse deiner Eltern von der Flucht sind in die Geschichte mit eingeflossen? 

Es ist sehr viel aus meiner Familie mit eingeflossen. Meine Eltern waren noch kleine Kinder, als sie flüchteten. Es hat sie sehr geprägt und damit auch mich. Sein Zuhause zu verlieren, zu flüchten, Menschen sterben zu sehen, ist eine traumatisierende Erfahrung. Entstanden ist das Buch aber aufgrund einer Erzählung meiner Patentante. Sie ist im Winter 1943 fast erfroren und erzählte mir das so nebenbei am Telefon. Ich hatte mich über den kalten Winter beschwert und sie meinte „Kalt? Du hast noch nie einen kalten Winter erlebt. So wie 1943, als wir fast erfroren sind.“ Ich habe mich dann lange mit ihr unterhalten, recherchiert, nachgeforscht. Vieles aus den Erzählungen meiner Eltern ist mit einfließen lassen.Und so entstand das Buch.

„Vom Flüchten“ ist dein Debütroman. Schreibst du gerade an einem weiteren Buch? Magst du zu deinem aktuellen Projekt schon etwas verraten?

Die eigentliche Arbeit beginnt eigentlich nach der Veröffentlichung eines Buches. Wobei mir eine schwere Krebserkankung dazwischen gekommen ist. Da ich keinen großen Verlag hinter mir habe, muss ich selber Lesungen organisieren, Buchblooger dafür gewinnen, mein Buch vorzustellen und so weiter. Im Moment bin damit beschäftigt, eine Online-Lesung vorzubereiten. Ein weiteres Buchprojekt habe ich schon im Kopf. Ich habe in den 90ern eine Zeit in den USA verbracht. Über diese Zeit möchte ich gern schreiben. Ein ganz anderes Thema also. Außerdem habe ich vor kurzem auf meinem Blog feinetexte.org eine Kurzgeschichte für Kinder veröffentlicht. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich könnte mir vorstellen, ein Kinderbuch mit Kurzgeschichten zu schreiben.

Ich lese zum Ausgleich zu meiner Arbeit in der Apotheke, die gerade aktuell viel Fingerspitzengefühl erfordert. Was ist dein Ausgleich zum Autorenalltag und zu deinem Beruf? 

Mir ist Musik sehr wichtig- von Alternative Rock bis Jazz. Außerdem fotografiere ich gern und habe einen Instagram-Account. Und ich bin sehr gern in der Natur und am Meer.

Mein Blog befasst sich mit meiner Lesesucht und meiner Kreationen aus Papier. Hast du neben dem Schreiben noch eine Kreative Ader?

Ich koche leidenschaftlich gern und habe einen vegetarischen Foodblog namens „Die Grüne Seele.“ (http://grueneseele.blog)

In diesem Jahr habe ich für mich die Familien- und Historischen Romane wiederentdeckt. Welches Buch liegt bei dir gerade auf dem Nachttisch?

„The Year of the Monkey“ von Pattis Smith – als Hörbuch. Ich liebe ihre Musik und ihre Bücher. Da sie so eine tolle Stimme hat, höre ich ihre Bücher gern im Original.

Liebe Cordula, vielen Dank für das Interview. Ich freue mich schon darauf, ein wenig Lesezeit zu finden, um in deinen Roman abzutauchen. Der Klappentext verspricht schon mal eine spannende Geschichte. 

Vom Flüchten

Klappentext

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges muss die 13jährige Janne ihr Zuhause zusammen mit Mutter, Tante und Geschwistern verlassen; sie fliehen vor den anrückenden russischen Soldaten. Nach einer aufreibenden Reise gelangen sie auf einen Bauernhof in Lübgust. Dort leben sie sich langsam ein. Doch können sie dort bleiben? Kommt nach der Flucht noch eine Flucht und wie wird diese aussehen?
Janne muss schnell erwachsen werden. Sie erlebt die Schrecken des Krieges , aber auch den Zusammenhalt in der Familie, die Stärke der Frauen, die sich durchkämpfen, anpassen, nie aufgeben

Bibliografie

Autor: Cordula Gartmann
Genre: Familiengeschichte
Verlag: epubli
ISBN: 9783748555377
Erscheinungsdatum: 20. Juni 2019
Seitenzahl: 128
Leseexemplar: Nein


Quellen:
Klappentext und Cover Original: © Cordula Gartmann


Rezension: Das Versprechen des Bienenhüters von Christy Lefteri

Das Versprechen des Bienenhüters

von Christy Lefteri

Dieses Überraschungspaket zum Buch erreichte mich bereits Anfang September. Ich habe mit Freuden das Paket ausgepackt und das Buch „Das Versprechen des Bienenhüters“ von Christy Lefteri in die Hand genommen. Passend zum Spielort gab es orientalischen Tee mit Teegläsern. Für den Start in die Geschichte habe ich mir eine Tasse mit Tee aufgesetzt und es mir in meinem Lesesessel vor dem Kamin bequem gemacht. So konnte ich ganz und gar in die Geschichte von Nuri eintauchen und ließ mich erst mal nach Aleppo entführen zu den freien Feldern des Bienenhüters.

Das Versprechen des Bienenhüters Sketchnote Bienenstöcke

Meine Meinung

Das Cover strahlt mit seiner Farbwahl einfach nur Wärme aus. Bei näherer Betrachtung sieht man einen Jungen über die Wiesen rennen. Der Himmel deutet mit seinen Farben schon auf Feuer und Gefahren hin, die den Krieg in Syrien vielleicht andeuten sollen. Passend zum Beruf des Protagonisten fliegen zwei Bienen durch die Luft. Nach oben hin wird das Bild durch die Andeutung von Waben abgeschlossen. Für mich ein wirklich schönes Cover, das sehr gut mit der Geschichte harmonisiert.

Für die Geschichte von Nuri braucht man etwas Ruhe und Zeit. So hat das Buch etwa zwei Monate auf meinem Nachttisch auf mich gewartet, bis ich bereit war für Nuris Flucht von Aleppo nach Großbritannien. Die Geschichte wird von Nuri aus der Ich- Perspektive erzählt. Die zwei Erzählstränge im Buch arbeiten aufeinander zu. Dabei finde ich die Überleitung von seinem aktuellen Aufenthaltsort in England zu seinen Etappen der Flucht sehr gelungen. Ich liebe kleine Wortspiele und die Überschrift seiner Fluchtetappen bildet sowohl das letzte Wort der Erzählung von England, als auch das erste Wort der Erlebnisse seiner Reise. Solche Kleinigkeiten fallen mir sofort ins Auge und zaubern ein Lächeln ins Gesicht.

Nuri lebt mit seiner Frau Afra und seinem Sohn Sami in Aleppo bis der Krieg ausbricht. Dieser nimmt ihm alles was ihm lieb ist. Sein Sohn stirbt und seine Frau verliert ihr Augenlicht. Für Nuri gibt es nur noch einen Ausweg, seinem Cousin Mustafa zu folgen und irgendwie nach England zu gelangen.

Christy Lefteri gelingt es auf eine spannende und bedruckende Art zu gleich Nuris Weg zu erzählen. Dabei habe ich das Gefühl, das unberührte Aleppo mit seinen Aprikosen- und Mandelbäumen direkt vor mir zu sehen. Ich wandere durch die Bienenstöcke und schaue mir Afras wunderschöne Bilder an. Dem gegenüber steht die Beschreibung vom Weg nach England. Die einzelnen Etappen der Flucht haben mich tief berührt. Hier greift die Autorin auf ihre Erfahrungen in einem Flüchtlingslager in Athen zurück, in dem sie als Freiwillige gearbeitet hat und den Menschen ein offenes Ohr geschenkt hat. Inspiriert durch die Erzählungen entstand die Geschichte von Nuri und Afra.

Das Buch hat mich tief berührt und ließ mich eine ganze Weile innehalten. Welche Gefahren unsere syrischen Mitbürger auf sich genommen haben, in der Hoffnung auf ein friedlicheres Leben kann ich nach der Lektüre des Buches nur erahnen. Ich hatte beim Lesen immer wieder einen ganz speziellen Kunden aus der Apotheke vor Augen. Wie er uns seine Familie wohl den Weg hier her geschafft haben. Bisher habe ich mich noch nicht getraut zu fragen. Vielleicht nehme ich das Buch mal zum Anlass mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Ich kann das Buch nur jedem ans Herz legen, der offen ist für neue Wege. Ich habe das Buch verschlungen und mich von der Erzählung mit reißen lassen. Vom Gefühl her ist es für mich das Buch 2019, dass mich am meisten berührt hat. Und ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen dieses Buch lesen und offen mit unseren ausländischen Mitbürgern umgehen. Es ist ein Buch was Hoffnung gibt auf eine farbenfrohe Zukunft.

Inhalt

»Nuri und seine Geschichte treffen mitten ins Herz. Wunderbar erzählt, erschütternd und aufrüttelnd.« Belletristik-Couch.de

Nuri ist Bienenhüter, mit seiner Familie führt er ein einfaches, aber erfülltes Leben im syrischen Aleppo. Bis das Undenkbare passiert und der Krieg ihr Zuhause erreicht. Nuris kleiner Sohn Sami wird bei einem Bombenanschlag getötet, seine Frau Afra erblindet. Sie müssen fliehen, um zumindest ihr eigenes Leben zu retten. Die Trauer um Sami und Erinnerungen an das einst glückliche Leben begleiten sie auf dem langen, gefährlichen Weg durch eine Welt, die nicht auf sie gewartet hat und selbst die Mutigsten in die Knie zwingt. Doch in England wartet Nuris Cousin Mustafa mit einem Bienenstock, der neuen Honig und neues Leben verspricht. Aber die größte Herausforderung liegt noch vor Nuri und Afra: wieder zueinander zu finden und gemeinsam die Hoffnung an ein neues Leben zu bewahren.

Sie haben alles verloren und glauben dennoch an einen Neuanfang: Diese Geschichte wird Sie berühren, mitreißen und doch hoffnungsvoll zurücklassen.

(Quelle: Random House)

Details zum Buch

Das Versprechen des Bienenhüters

von Christy Lefteri

Roman
Verlag: Limes
erschienen am: 2. September 2019
ISBN: 978-3-8090-2715-7
Seiten: 352

Rezensionsexemplar