Kerstin fragt … Autoren, Blogger und Sprecher antworten
heute mit Charlotte Fondraz

Moin, magst du dich meinen Lesern kurz vorstellen?
Gern, moin moin! Ich schreibe Cosy-Krimis und Mythologie-Romane, so nenne ich meine Romane, die in der Vorgeschichte spielen. Ansonsten arbeite ich bei Amnesty International mit, in der Gruppe von Bordeaux, weil ich hauptsächlich in Frankreich wohne. Amnesty kämpft für die Menschenrechte; ich führe das Instagram-Konto meiner Gruppe und bin besonders aktiv bei den Frauenrechten. Ein paar Monate im Jahr verbringe ich in Bremen, meiner alten Heimatstadt. Die Zeit dort nutze ich für einen Schreib-Retreat, d.h. ich vergrabe mich mit meinem Laptop in meinem Sofa, trinke Kaffee und schreibe meine zuvor geplanten Szenen runter.
Auf welchen Plattformen bist du unterwegs, und welche Rolle spielen sie für dich?
Eigentlich mache ich nur auf Instagram was. Ich habe aber auch ein Konto bei Facebook und bei LinkedIn und bei verschiedenen Leseplattformen wie LovelyBooks, Büchereule usw. Aber am wichtigsten für den Austausch ist für mich Charlottes Chronik, mein Newsletter.
Gibt es ein Buch, das dich so sehr gefesselt hat, dass du komplett die Zeit vergessen hast?
Ja, viele. Mit dem Herrn der Ringe bin ich mal ein paar Haltestellen mit der Bahn zu weit gefahren, weil ich mitten in Mordor mit Sam und Frodo gelitten habe. Aber auch andere Bücher haben mir gezeigt, dass Zeit relativ ist. Zuletzt habe ich mit dem Krimi „Les doigts coupés“ (auf deutsch: „Finger ab“) von Hannelore Cayre bis in die frühen Morgenstunden mit der Protagonistin mitgefiebert. Der Roman ist für mich doppelt interessant: erstens weil es in der Vorgeschichte spielt (wie meine Mythologie-Romane) und zweitens weil es von Höhlenmalereien handelt (diese Kunstwerke sind sehr präsent im Périgord, dem Ort der Handlung meiner Cosy-Krimi-Reihe „Mord à la française“).
Mein Lieblingsspruch ist: „Das Leben ist schön.“ Was ist dein persönlicher Leitsatz oder Spruch, der dir an stressigen Tagen hilft?
Ich mag Sprüche allgemein gern, das ist so eine Marotte von mir. Ein kurzer Lieblingsspruch ist der von Amnesty Frankreich: On se bat ensemble, on gagne ensemble – Wir kämpfen gemeinsam, wir gewinnen gemeinsam. Der Satz steckt voller Motivation und Optimismus. Außerdem erinnert er daran, dass wir uns zusammentun und Differenzen überwinden müssen, wenn wir was erreichen wollen. Anstatt uns aufzuspalten, wie ich es leider schon in der linken oder in der feministischen Community erlebt habe.
Magst du in drei Sätzen neugierig auf dein aktuelles Buch machen?
“Mord à la française“ ist eine Cosy-Krimireihe, spielt im geschichtsträchtigen Périgord und hat viel Lokalkolorit zu bieten. Marlene, Hobbyarchäologin aus Norddeutschland, will im Urlaub das mittelalterliche Städtchen Brantôme und steinzeitliche Höhlen besichtigen. Doch hinter der Idylle des Périgords stößt sie auf gut gehütete Geheimnisse und ein Netz aus Intrigen.

Hast du bestimmte Rituale oder Routinen, die dir beim Schreiben helfen?
Ich habe einen von meiner wissenschaftlichen Ausbildung geprägten Arbeitsstil. Gliederung schreiben, recherchieren, Unterpunkte ausschreiben. Beim Roman heißt das: Szenenplan erstellen, recherchieren, Szenen ausschreiben. Und dann überarbeite ich den gesamten Text viele Male, das mache ich am liebsten.
Welche Recherche für eines deiner Bücher war bisher die aufwändigste oder ungewöhnlichste?
Ganz klar für „Die Kriegerin des Nordens“, ein Germanien-Roman um den silbernen Kessel von Gundestrup. Dieser Kessel wurde vor 130 Jahren in Dänemark in einem Moor gefunden. Mein Roman erzählt, wie er da hingekommen ist. Beziehungsweise hingekommen sein könnte.
Ich habe nicht nur massenweise wissenschaftliche Artikel durchgearbeitet (sogar den allerersten, der Ende des 19. Jahrhunderts auf Dänisch erschienen ist). Das Dänisch hab ich mir mit einem Übersetzungsprogramm übersetzt. Auch alle möglichen römischen Autoren, die über Germanien geschrieben haben, habe ich gelesen. Ich habe mit DEM Experten des Gundestrup-Kessels über Mail (in englisch) kommuniziert, ich bin zweimal durch Jütland bis an den Fundort gereist und hab dabei kein Museum ausgelassen. Außerdem habe ich viel über die Interpretation von archäologischen und anthropologischen Funden zusammengesucht. Und dann habe ich mich von Mythen der frühen Völker des nördlichen Europas inspirieren lassen.
Bei der „Kriegerin des Nordens“ wollte ich eine Romanwelt erschaffen, die von den üblichen Interpretationen über die German*innen abweicht, aber den archäologischen und anthropologischen Funden nicht widerspricht. Inzwischen wurden tatsächlich Funde bekannt, die in die Richtung meiner Interpretationen gehen, zum Beispiel die Kriegerin von Birka (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikingerkriegerin_von_Birka), die lange für einen Mann gehalten wurde, aber laut DNA-Analyse eine Frau war.
Was war die ungewöhnlichste Rückmeldung, die du zu einem deiner Bücher bekommen hast?
Das war eine Rezension auf Amazon zu „Rache, Rosen und Rosé“, dem ersten Band der Cosy-Krimi-Reihe. „Zum Glück kommt das Heil aus Bremen … und nervt mit aufgesetztem Feminismus. Man könnte meinen, der Roman ist bei Hafermilch auf einem Lastenfahrrad entstanden“, schreibt dort ein Leser. Ich musste lachen, als ich die Rezi las (nur ein Stern natürlich). Der Mensch hatte mich ertappt, auch wenn ich lieber Sojamilch als Hafermilch trinke. Aber Umweltschutz und Feminismus liegen mir tatsächlich am Herzen, insofern habe ich mich gefreut, dass diese Werte auch in dem Roman durchscheinen. Cosy-Krimis gehören ja zur „leichten Unterhaltungsliteratur“, aber das bedeutet nicht, dass das Buch seicht oder kitschig sein muss.
Woran arbeitest du aktuell? Magst du uns einen kleinen Einblick geben?
Ich schreibe den dritten und wahrscheinlich letzten Band von „Mord à la française“, bei dem es um giftige Pilze gehen wird. Parallel überarbeite ich meinen allerersten Roman, eine Alternativweltgeschichte, die in einem geheimen unterirdischen altägyptischen Reich der Gegenwart spielt.

Liebe Charlotte vielen Dank, dass du dich meinen Fragen gestellt hast. Deine Recherchen hören sich sehr zeitintensiv an.

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