Ein Reisebericht: Sketchnote Barcamp 2026

Schon seit dem Journaling Barcamp in Hamburg hatte ich dieses Datum im Kopf: 12. und 13. Juni, Göttingen, Sketchnote Barcamp. Tanja Wehr hatte dort fleißig Werbung für ihre Veranstaltung gemacht, und je näher der Termin rückte, desto größer wurde meine Vorfreude. Zwei Tage ganz im Zeichen von Sketchnotes.
Und so saß ich nun an diesem Morgen im Auto auf dem Weg nach Göttingen.Ich hatte mein Navi gefragt, wie ich am besten zum Hotel Rennschuh komme. Es schlug mir zwei Strecken über die Autobahn vor und eine über Land. Zeitlich machte das kaum einen Unterschied, nur die Kilometerzahl war über Land deutlich niedriger. Also habe ich die spritsparende Variante gewählt und mein Hörbuch eingeschaltet. Zwischendurch wurde die Strecke richtig ländlich, und so habe ich Ecken von Deutschland gesehen, in denen ich vorher noch nie war. Aber das Hörbuch war spannend, also habe ich die Fahrt einfach genossen und mich im Windschatten von dem ein oder anderen Lkw mitziehen lassen.

Am frühen Nachmittag kam ich im Hotel an. Das Einchecken ging rucki-zucki, da ich schon vorher bezahlt hatte. Mein Zimmer fand ich im zweiten Stock, und so habe ich für einen Moment noch die Füße hochgelegt.
Mit Stiften, Büchern für die Tauschbörse und meiner 15×15-cm-Kachel bewaffnet, fuhr ich gegen halb vier ins Zufall Lab im Industriegebiet. Dort fand ich direkt auf dem Gelände einen Parkplatz, das finde ich bei solchen Veranstaltungen super, wenn man nicht ewig nach einem Stellplatz suchen muss. Ich sage nur: Hamburg und teures Parkhaus, inklusive Blitzerfoto, weil ich bei der Parkplatzsuche ein 30er-Schild übersehen habe. Aber das ist eine andere Geschichte.
Im Zufall Lab war schon einiges los. Viele kreative Köpfe, die irgendetwas mit Sketchnotes oder Illustration zu tun haben, aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden tummelten sich in den Räumen. Zunächst hieß es: Namensschild gestalten. Hierbei war ich wieder mal ganz unkreativ, fürs nächste Mal bereite ich mir schon etwas vor.
Was mir das Ankommen ungemein erleichterte, war die Tatsache, dass ich das ein oder andere Gesicht schon vom Journaling Barcamp aus Hamburg kannte. So lief ich bei vielen gar nicht als Neuling durch dieses Barcamp, weil wir uns ja teilweise schon drei Mal in Hamburg gesehen hatten. Nach einer kurzen Einführung in die zwei Tage von Tanja Wehr und der Vorstellungsrunde ihres Orga-Teams ging es ans gegenseitige Kennenlernen.

Zunächst sollte jeder für sich seine Superkräfte notieren. Diese wurden dann in Zweier- bzw. Dreierrunden ausgetauscht, wobei gezielt die gleichen Farben der Goodie-Bags zusammenfinden sollten. Wir spannen zu dritt direkt eine kleine Geschichte zu unseren drei Superkräften. Danach sollte sich jede Farbgruppe zusammenschließen und gemeinsam ein Werbeplakat über die Superkräfte gestalten. Insgesamt waren wir sieben Frauen, die sich alle schnell einig wurden, wie wir das Ganze umsetzen wollten. Vielen Dank an dieser Stelle an die liebe Anna, die unsere Ideen direkt zeichnerisch umsetzen konnte, so entstand unser Plakat für das „Café zum offenen Herzen“. Natürlich durfte der Dino auf dem Plakat nicht fehlen, denn das Sketchnote Barcamp 2026 stand unter dem Motto „Dinosaurier – Back to the Roots“. Das Plakat hat es übrigens mit zu mir nach Hause geschafft und wartet jetzt noch auf einen Platz in meinem Bastelzimmer. Nach der kreativen Runde stellte jede Gruppe ihr Plakat im Plenum vor. Schon spannend, was da alles herauskam: Dinosaurier und auch Schokolade waren an mehreren Stellen Thema.



Die Zeit bis zum Abendessen habe ich genutzt, um noch ein paar Bilder zu machen, unter anderem von der Community Wall, für die jeder ein 15×15 cm gestaltetes Bild mitbringen sollte. Ich selbst habe natürlich vergessen, mein Bild zu Hause ordentlich zu fotografieren, daher gibt es hier nur ein kleines Foto dazu. Ich habe auf die Schnelle die Papp-Kachel mit Designpapier von Stampin‘ Up beklebt und dann einen kleinen Dinosaurier aus Origamipapier gefaltet. Die Kachel fiel direkt ins Auge, weil ich noch meinen QR-Code hinzugefügt hatte.

Nach der Pizza habe ich meine Sachen gepackt und bin zurück ins Hotel gefahren. Dort habe ich mir nochmal in Ruhe alle Stifte und Co. in der Goodie-Bag angesehen und meine Sachen für den nächsten Tag sortiert. An dieser Stelle vielen Dank an die Sponsoren der Veranstaltung für die kleinen Aufmerksamkeiten:
- mitp Verlag
- Pentel
- Edding
- Moduletto
- Sketch Stuff
- Tom – @inkblot_de
- Im Sinne
- Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen!

Der zweite Tag startete im Hotel mit Frühstück. Hier saß ich mit Thilo zusammen, vertieft in Gespräche über Illustrationen in Kinderbüchern, Comics und mehr. So bekam ich ganz neue Einblicke. Zusammen fuhren wir dann ins Zufall Lab. Dort führte mein erster Weg gleich zum Kaffee, und mit diesem in der Hand bin ich erst mal ankommend durch die Halle geschlendert.
Gestartet wurde mit dem Session-Pitch: Nach dem Aufruf konnte jeder aufstehen, der ein Thema anbieten oder sich ein bestimmtes Thema wünschen wollte. Hier wurden sehr viele spannende Sachen vorgestellt, und ich wusste sofort: Das Sketchnote Barcamp ist viel mehr meins als das Journaling Barcamp, weil es hier wirklich um ganz praktische Dinge rund ums Zeichnen ging.
Während das Orga-Team unter Berücksichtigung der roten Punkte aller Teilnehmenden die Themen sortierte, durfte ich Raimunds Keynote „Dinos zeichnen leicht gemacht“ lauschen. Er zeichnet Dinosaurier so realistisch, dass man das Gefühl hat, sie könnten direkt vom Papier loslaufen. Er erzählte, dass er sich immer wieder über den aktuellen Stand der Wissenschaft informiert, damit seine Dinosaurier auch genau so aussehen, wie Forscher es herausgefunden haben. Natürlich ist da immer eine gute Portion Spekulation dabei, da wir kein Bild aus jener Zeit haben. Nach dem Vortrag gab es noch eine Tombola-Runde, und ich durfte mich über eine Tasse mit zwei von Raimund gezeichneten Dinosauriern freuen. Die werde ich in Ehren halten.

Danach folgte die Qual der Wahl vor dem Sessionplan: Für welche der drei Optionen in einem Zeitslot entscheide ich mich? Das war gar nicht so einfach. Rückblickend habe ich aber die richtigen für mich gewählt.


Gestärkt an der Candy Bar ging es zur ersten Session. Ich habe mich für „Pointe im Comic“ entschieden, das hat richtig Spaß gemacht. Aufhänger waren jeweils Zeitungsüberschriften, die wir zu einer Pointe verarbeiteten. Danach war schon Zeit für das Mittagessen, das übrigens sehr lecker war, und zum Nachtisch gönnte ich mir zwei Kugeln veganes Vanilleeis im Kaffee. Den genoss ich im Garten der Location. Für einen Moment war es mal trocken, und sogar die Sonne zeigte sich.
Weiter ging es in der zweiten Session mit „Sketch und Tape“ auch ein schönes Thema, das ich für meine Karten gut gebrauchen kann. Einfach mal Rahmen und Struktur mit Tape kleben, oder beim Sketchen Fehler übertapen und dann draufschreiben. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, und schwups waren die 45 Minuten schon wieder um.

Kurz durchgeatmet, einen Schluck Kaffee nachgeholt und dann kam für mich der Moment, auf den ich im Nachhinein am meisten zurückblicke. Die dritte Session war mein ganz klares Highlight. Ich danke Gaby für diese spontane Mini-Me-Zeichen-Einheit. Zunächst zeigte sie allgemeine Aspekte, auf die sie achtet, wenn sie ein Mini-Me zeichnet: wie man Proportionen vereinfacht, welche Details ein Gesicht wirklich ausmachen, und wie viel Persönlichkeit schon in ein paar Strichen stecken kann. Im Anschluss zeichnete sie direkt im Auftrag der Wünscherin für diese Session ein Mini-Me, und wir alle zeichneten mit. Ich habe mich an einem von mir selbst gewagt und das war gar nicht so einfach, wie ich dachte. Es ist eine ganz eigene Übung, sich selbst auf ein paar Zentimeter Papier zu reduzieren und trotzdem wiederzuerkennen. Für den Anfang bin ich ganz zufrieden mit meinem Werk und werde es nochmal in Ruhe weiter ausarbeiten.


Den Abschluss machte Session vier zum Thema „Sketchen in Kreide auf Tafel“. Das hat richtig viel Spaß gebracht, und jeder konnte eine fertige Tafel mit nach Hause nehmen. Da mir auf die Schnelle kein Spruch einfiel, habe ich kurz im Netz gesucht und wurde fündig. Die Tafel steht jetzt bei uns oben im Flur, und ich freue mich jedes Mal daran, wenn ich in mein Bastelzimmer gehe.
Und damit war das Wochenende auch schon vorbei. Lange hatte ich darauf hingefiebert und nicht so recht gewusst, was mich erwartet und nun war es im Nu vorbei. Nach dem eher verhaltenen Hallo meinerseits gab es eine große Abschiedsrunde mit Umarmungen. Das nächste Jahr ist für mich schon fest im Terminkalender eingetragen. Mit ganz vielen neuen Ideen und Erfahrungen im Gepäck ging es Samstagabend dann wieder nach Hause, und mit jedem Kilometer spürte ich, wie sich die Aufregung der letzten zwei Tage langsam in eine zufriedene Müdigkeit verwandelte.
Diesmal folgte ich dem Navi über die Autobahn, wobei die Wahl der Strecke als interessant zu bezeichnen ist: Da ich mein Hörbuch nicht wirklich unterbrechen wollte und auch keine Lust hatte zu überprüfen, ob mein altes Navi im Auto wirklich einen sinnvollen Weg anzeigt, bin ich ihm einfach gefolgt. So stand ich unverhofft in Herford – mein Mann fragt sich immer noch, warum das der beste und schnellste Weg sein sollte. – Dafür habe ich dort aber für 1,74 € Diesel getankt, was mich einfach glücklich machte, weil es zu Hause 15 Cent mehr pro Liter gewesen wären.
Mit vollem Tank in jeder Hinsicht kam ich zu Hause an. Ich konnte an den zwei Tagen einfach komplett abschalten und den ganzen Stress von der Arbeit hinter mir lassen. Solche kleinen Auszeiten tun mir einfach gut, und ich werde darauf achten, mir die regelmäßig zu nehmen – und sei es vielleicht auch mal in einem digitalen Rahmen.

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Wieder was gelernt: Sketchnotes. Mach ich manchmal selbst, wusste aber nicht, dass das so heißt. Interessant ist auch, was bei Wikipedia dazu steht: „Das Prinzip der Sketchnotes ist nicht neu. Bei großzügiger Auslegung des Begriffs könnte man auch Höhlenmalerei … als Sketchnote bezeichnen.“ Höhlenmalerei, das ist natürlich ein Thema, das mich beruflich interessiert. Das baue ich mal in einen Roman ein, dass Höhlenmalerei quasi Sketchnote ist. :) Danke für diesen interessanten Blogbeitrag!
Ja, das mit der Höhlenmalerei hab ich auch schon gelesen. Ich finde auch die Ägyptischen Zeichen haben etwas davon. Wenn man sich zum Beispiel in Kom Ombo den Kalender anschaut.