Kerstin fragt … Autoren, Blogger und Sprecher antworten
heute mit Juna Liebrecht

Moin, magst du dich meinen Lesern kurz vorstellen?
Ich bin Juna Liebrecht und schreibe literarische Texte über zwischenmenschliche Wahrnehmung, moralische Ambivalenz und die Frage, was Menschen miteinander verbindet. Mich interessiert besonders der Moment, in dem wir beginnen, den anderen wirklich zu sehen – jenseits von Rollen, Erwartungen oder einfachen Einordnungen. Schreiben ist für mich ein Versuch, diesen Momenten nachzugehen und sichtbar zu machen, was oft nur zwischen den Zeilen spürbar ist.
Beschreibe dich und dein Tun in 5 Worten.
Nachdenklich. Beobachtend. Fragend. Schreibend. Menschlich.
Woran arbeitest du aktuell? Magst du uns einen kleinen Einblick geben?
Wir leben in einer Zeit enormen Fortschritts, gleichzeitig aber auch in einer Epoche, in der Kriege und gesellschaftliche Spannungen wieder sehr präsent sind. Das Gefühl der eigenen Ohnmacht, daran kaum etwas verändern zu können, hat mich zum Schreiben gebracht. Literatur eröffnet für mich einen Raum, in dem eine Botschaft vermittelt werden kann, indem man Menschen fühlen lässt – ohne Moralkeule und ohne jemandem eine Meinung aufzuzwingen.
In meinem Roman Wer ich bin, wenn du mich siehst versuche ich, diese Gedanken in eine Geschichte zu verwandeln und mich einer Frage zu stellen, die mich immer wieder beschäftigt: Was bleibt, wenn man vom Krieg alles abzieht, was Menschen voneinander trennt?
Für mich ist die Antwort darauf: Menschlichkeit.

Hast du bestimmte Rituale oder Routinen, die dir beim Schreiben helfen?
Musik spielt beim Schreiben eine große Rolle für mich. Für viele Szenen gibt es ein Lied aus meiner Playlist, das die Stimmung diesen Moments einfängt. Über Musik kann ich mich sehr gut in eine Szene hinein fühlen und für eine Weile in die Welt der Geschichte eintauchen.
Was wolltest du schon immer mal verraten, hattest aber noch nie die Gelegenheit dazu? Hier ist deine Bühne!
Wie viele meiner Hauptfiguren bin auch ich hochsensitiv. Das bedeutet, dass ich Eindrücke, Stimmungen und Gefühle oft sehr intensiv wahrnehme. Dinge, die andere vielleicht nur am Rande bemerken, beschäftigen mich manchmal lange. Diese Sensibilität prägt auch mein Schreiben. Sie hilft mir, zwischen den Zeilen zu hören, Zwischentöne wahrzunehmen und Figuren emotional sehr nah zu kommen.
Viele meiner Texte entstehen genau aus dieser Wahrnehmung heraus – aus Momenten, Gefühlen oder Begegnungen, die mich besonders berühren. Und hoffentlich auch dich.
Welches Genre schreibst du am liebsten – und warum genau dieses?
Am liebsten schreibe ich literarische Gegenwartsliteratur. Mich interessieren Geschichten über menschliche Ambivalenz und die Frage, was Menschen miteinander verbindet. Neben meinem Roman schreibe ich auch Gedichte und Kurzgeschichten zu diesen Themen. In der Lyrik lassen sich Gefühle verdichten, während der Roman Raum gibt, ihnen über eine ganze Geschichte hinweg zu folgen.

Magst du in drei Sätzen neugierig auf dein aktuelles Buch machen?
Was bleibt, wenn man vom Krieg alles abzieht, was Menschen trennt?
Der Roman verhandelt die Frage nach Menschlichkeit im Krieg und untersucht, was vom Menschen bleibt, wenn Gewalt, Angst und Systemzwang alles andere zerstören.
Und erzählt eine zerbrechliche, intensive, zutiefst menschliche Liebesgeschichte.
Wenn dein Leben ein Buchtitel wäre, wie würde er lauten – und warum?
Vielleicht: „Zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir verstehen.“
Weil mich genau dieser Zwischenraum interessiert – in der Literatur und im Leben.
Wie gehst du mit Schreibblockaden um, falls sie auftreten?
Ich versuche dann nicht, den Text zu erzwingen. Oft hilft es, einen Spaziergang zu machen oder einfach etwas anderes zu lesen. Viele Ideen entstehen genau in diesen Momenten, in denen man versucht, nicht krampfhaft weiter zuschreiben.
Gibt es ein Buch, das dich so sehr gefesselt hat, dass du komplett die Zeit vergessen hast?
Das passiert mir vor allem bei Romanen, die sehr nah an den Figuren bleiben. Wenn ein Text es schafft, innere Konflikte und Gedankenwelten so präzise zu zeigen, dass man sich selbst darin wiederfindet, vergesse ich beim Lesen schnell die Zeit.
Liebe Juna vielen Dank, dass du dich meinen Fragen gestellt hast.

