Sila: Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises von Lana Hansen

Meine Meinung
Das Cover hat mich sofort angezogen. Zu sehen ist die Illustration eines Eisbären, der in den Himmel schaut und dabei scheinbar einen schwarzen Vogel verfolgt. Die Landschaft wirkt wie eine Weite aus Eis und Schnee. Für mich passt dieses Bild perfekt zur Geschichte und gibt schon eine erste Ahnung von der Atmosphäre.
Sila – Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises von Lana Hansen ist im Inuit Verlag erschienen. Illustriert wurde das Kinderbuch von Georg Olsen. Wie der Untertitel schon verrät, spielt die Geschichte auf Grönland. Im Mittelpunkt steht Tulugaq, ein Junge mit einer geheimnisvollen Gabe, der die Mutter des Meeres aufsuchen soll, um sie zu besänftigen. Auf seinem Weg begegnet er verschiedenen Tieren der Arktis.
Bevor die Geschichte beginnt, ist ein Personenverzeichnis vorangestellt. Gerade bei den vielen grönländischen Namen fand ich das sehr hilfreich. So konnte ich mich schon im Vorfeld orientieren und wusste, wer sich hinter den Namen verbirgt. Zur Hauptfigur steht dort:
„Tulugaq, einen Jungen, der sich in einen Raben verwandeln kann. Tulugaq bedeutet Rabe auf Grönländisch.“
Danach startet direkt die eigentliche Geschichte, in der man noch mehr über den neunjährigen Jungen erfährt. Ein weiteres Zitat ist mir dabei besonders im Kopf geblieben:
„Tulugaq kann endlos fliegen, unendlich lange auf den Flügeln der Fantasie, wenn ihm langweilig ist.“
Ob die Geschichte bereits für Kinder ab acht Jahren geeignet ist, kann ich nicht ganz eindeutig sagen. Für mich ist es vor allem eine Geschichte für die ganze Familie, um gemeinsam über den Klimawandel ins Gespräch zu kommen. Gerade beim Vorlesen und anschließenden Austausch entfaltet sie ihre Stärke. Die ungewöhnlichen Begriffe könnten beim eigenständigen Lesen sonst vielleicht etwas herausfordernd sein.
Ein Wort noch zu den Illustrationen: Georg Olsen hat einfache Szenen eingefangen und diese sehr klar und ruhig umgesetzt. Die Darstellungen bleiben nah an realen Formen und wirken durch die Kolorierung stellenweisen leicht verwischt. Gerade das hat für mich aber einen besonderen Reiz. Die kleinen Details, wie etwa die gezeichneten Federn, sind wirklich beeindruckend. Ich konnte die Geschichte in den Bildern sofort wiedererkennen und dem Geschehen dadurch gut folgen.
Ich habe mich sehr gefreut, mal wieder eine Fabel zu lesen. Es wirkt fast so, als würden Fabeln, Sagen und Märchen heutzutage immer mehr von leichter Unterhaltung verdrängt. Dabei haben sie für mich nach wie vor eine wichtige Bedeutung. In dieser Geschichte geht es um die wohl bekannteste grönländische Legende: die Mutter des Meeres. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen, die unser Ökosystem im Gleichgewicht halten. Verheddert sich in ihren Haaren all das, was wir Menschen zu brauchen glauben, gerät nicht nur unser Leben aus dem Gleichgewicht. Die Geschichte schafft es, diese Zusammenhänge auf eine Weise darzustellen, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene verständlich ist.
Am Ende findet sich übrigens die Frage: Was kannst du tun? Dazu werden erste Ideen gegeben, die sich im Gespräch wunderbar erweitern lassen. Denn jeder von uns kann mit kleinen Veränderungen im Alltag dazu beitragen, unsere natürlichen Ressourcen zu schützen.
Ich finde, dieses Buch eignet sich auch sehr gut für den Einsatz im Unterricht. Es lädt dazu ein, über den Inhalt zu sprechen und gemeinsam zu reflektieren. Aus meiner Sicht ist das bereits ab der dritten oder vierten Klasse gut möglich. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für Groß und Klein, die die Augen vor dem Wandel nicht verschließen wollen.
Inhaltsangabe
Tulugaq, der Junge mit der geheimnisvollen Gabe, sich in einen Raben zu verwandeln, liebt es, über die glitzernden Eisfelder Grönlands zu fliegen. Doch eines Tages erhält er einen besonderen Auftrag vom Geist des Inlandeises: Das große Eis beginnt zu schmelzen, und nur die Mutter des Meeres kann helfen. Eine lange, abenteuerliche Reise liegt vor Tulugaq. Er muss zu den Tieren der Arktis fliegen – zu Eisbären, Walen, Adlern und Rentieren – und ihre kostbaren Geschenke sammeln. Dann soll er zur geheimnisvollen Mutter des Meeres tauchen und ihr mit einem besonderen Kamm die Haare kämmen, um ihr Herz zu besänftigen. Doch ein spionierender Rabe verfolgt ihn und will seine Mission verhindern. Und inmitten all der Sorgen fragt sich Tulugaq heimlich, was wohl die liebliche Asiaq über sein großes Abenteuer denkt… Eine zeitlose Fabel, die die uralten Mythen und das Naturverständnis der Inuit mit den brennenden Fragen unserer Zeit verwebt.
Bibliografie

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Autor: Lana Hansen
Illustriert von: Georg Olsen
Genre: Kinderbuch ab 8 Jahren
Verlag: Inuit Verlag
ISBN/ ASIN: 978-3690960113
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2025
Format: Hardcover u.a. bei Amazon erhältlich*
Seitenzahl: 56
Leseexemplar: Ja
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Es wurde mir vom Inuit Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
Quellen: Klappentext und Cover Original: ©Inuit Verlag
